Augentumoren bleiben eine Herausforderung für jeden/jede Augenarzt/Augenärztin. Es gilt hier besonders zielsicher und verlässlich die klinischen Zeichen richtig zu interpretieren, sodass einerseits möglichst früh eine maligne Erkrankung erkannt wird, aber andererseits nicht unnötig bei benignen Befunden der Patient/die Patientin verunsichert wird. Dabei bestehen in der ophthalmologischen Onkologie Besonderheiten, welche die Versorgung im Tumorbereich so besonders und einzigartig machen. So verursacht die Diagnose Krebs am Auge die Sorge um das Leben und das Sehen, sodass hier häufig in der Behandlung abgewogen werden muss. Zudem ist es so, dass bei in­traokularen Tumoren nicht selten die Dia­gnose rein klinisch und ohne eine Biopsie gestellt werden muss.

In diesem Heft sind zwei exemplarische Beiträge aus der internationalen Literatur übersetzt worden, die jeweils ganz unterschiedlich zwei Facetten der Tumorbehandlung am Auge widerspiegeln. Im Beitrag von Pellegrini et al. aus dem Jahr 2022 in Ocular Oncology & Pathologie wird die neue Option der klinischen Diagnostik mit einer optischen Kohärenztomographie-Angiographie auch bei Tumoren weiter beleuchtet und erklärt [1]. Die relativ neue Untersuchungsform hat ihre Stärken in der Darstellung von Gefäßen, einem Key-Feature von Tumoren, und kann hier bei Grenzfällen in Zukunft eventuell weiterhelfen, um gutartig und bösartig besser zu diskriminieren. Die Arbeit fasst sehr gut das bisherige Wissen zu der optischen Kohärenztomographie-Angiographie zusammen, um es dann im Alltag so besser verstehen zu können. Auch weist sie auf mögliche Fallgruben in dieser Diagnostik hin. Die Option der Detektion von Faktoren der Tumorgenese ist ein Spiegelbild der aktuellen diagnostischen Weiterentwicklung und erhöht die «Sensitivität» des Augenarztes/der Augenärztin.

Im zweiten Beitrag wurde eine Kasuistik von Khasati et al. aus dem Jahre 2023 ebenfalls aus Ocular Oncology & Pathology ausgewählt [2]. In diesem Beitrag wird nach einer Rutheniumbrachytherapie die Ablagerung von Silber aufgrund der Behandlung adressiert. Dieses Beispiel zeigt, dass gerade gute Kenntnisse im Bereich der Augentumorbehandlung inklusive der Verständnisse für molekulare Prozesse, dem/der Patienten/in dienen kann, sodass die Sorge eines Rezidivs im Vorfeld schon hier genommen wird. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass gerade die klinischen Kenntnisse des/der Augenarztes/Augenärztin sehr viel Licht ins Dunkele bringen können und so auf der einen Seite maligne Prozesse entdecken, aber auch bei benignen Befunden sehr schnell beruhigen können.

Zum Abschluss bleibt mir nur noch übrig, Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe von Kompass Ophthalmologie zu wünschen und verspreche auch im Tumorbereich eine interessante und informative Lektüre an dieser Stelle.

Herzlichst,

Ihr Vinodh Kakkassery

1.
Pellegrini
M
,
Staurenghi
G
,
Preziosa
C
:
Clinical Applications of Optical Coherence Tomography Angiography in Ocular Oncology: Pearls and Pitfalls
.
Ocul Oncol Pathol
.
2022
;
8
:
79
87
.
2.
Khasati
A
,
Thaung
C
,
Mudhar
HS
,
Wagner
B
,
Goggin
P
,
Stoker
I
,
Sagoo
MS
,
Damato
B
,
Quhill
H
:
Subconjunctival Ocular Argyrosis following Treatment with Ruthenium 106 Brachytherapy for Choroidal Melanoma
.
Ocular Oncology and Pathology
.
2023
;
9
:
101
106
.