Hintergrund: Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist grundsätzlich mit erhöhter Mortalität assoziiert. Wir untersuchten die Zusammenhänge zwischen COPD-Erkrankung und Sterblichkeit bei zusätzlich vorliegender chronischer Nierenerkrankung (CKD) und schlüsselten die Mortalitätsdaten nach Todesursachen auf. Methoden: In die Studie eingeschlossen wurden 56 960 Patienten mit CKD im Stadium 3 oder 4, die im Rahmen eines weitreichenden medizinischen Versorgungssystems nachverfolgt wurden. Zusammenhänge zwischen COPD und Gesamtmortalität bzw. verschiedenen Untergruppen von Todesursachen (respiratorische, kardiovaskuläre, onkologische und andere Ursachen) wurden mit verschiedenen Modellen untersucht (Cox-Regression, konkurrierende Risiken). Ergebnisse: Von 56 960 CKD-Patienten hatten 4,7% (n = 2667) eine zugrunde liegende COPD. Höheres Alter, Diabetes, Hypertonie, koronare Herzkrankheit, dekompensierte Herzinsuffizienz und Rauchen waren mit einem erhöhten COPD-Risiko assoziiert. Nach einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 3,7 Jahren waren 15 969 Patienten verstorben. Nach Kovariablen-Adjustierung war bei COPD das Sterberisiko für alle Todesursachen zusammengenommen um 41% höher (95%-KI 1,31-1,52), in Bezug auf respiratorische Todesursachen war das Risiko um das Vierfache erhöht (Sub-Hazard Ratio 4,36; 95%-KI 3,54-5,37). Ähnliche Ergebnisse erbrachte eine Sensitivitätsanalyse, bei der das Vorliegen von COPD durch einschlägige ICD-9-Codes und Anwendung von Arzneimitteln zur Behandlung von COPD definiert war. Schlussfolgerungen: COPD ist bei zusätzlich vorliegender CKD mit erhöhter Mortalität assoziiert, und eine zugrunde liegende Lungenerkrankung ist für einen signifikanten Teil der Todesfälle verantwortlich. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit weiterführender, prospektiver Studien zur Erforschung der zugrunde liegenden Mechanismen und möglichen Ansatzpunkte zur Verbesserung der Outcomes in dieser Patientenpopulation. Übersetzung aus Am J Nephrol 2016;43:39-46 (DOI: 10.1159/000444422)

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine der führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität weltweit [1]. Komorbiditäten sind bei Patienten mit COPD eher die Regel als die Ausnahme und beeinflussen das Management der Erkrankung [2]. Häufige Komorbiditäten sind verschiedenen Malignome (2-25%), die koronare Herzerkrankung (18-68%), die arterielle Hypertonie (18-52%), der Diabetes mellitus (2-19%) und eine Störung der Hirnleistung (8-45%) (Übersicht bei Hillas et al. [2]).

Erkrankungen der Niere sind bei Patienten mit COPD ebenfalls häufig, wobei eine ventilatorische Insuffizienz mit Entwicklung einer Hypoxämie und einer Hyperkapnie das Risiko für eine komorbide renale Erkrankung deutlich erhöht [3]. Die arterielle Rigidität und endotheliale Dysfunktion bedingt durch eine COPD werden als Auslöser einer Nierenfunktionsstörung diskutiert [4]. Dabei korreliert das Ausmaß einer renalen Funktionsstörung mit dem Schweregrad einer obstruktiven Ventilationsstörung [5]. Im Vergleich zu einer altersgleichen Gruppe ohne obstruktive Ventilationsstörung ist bei Patienten mit obstruktiver Ventilationsstörung das Risiko des Auftretens eines akuten Nierenversagens doppelt und das Risiko der Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz dreimal so hoch [6]. Epidemiologische Zahlen schätzen, dass etwa 22% der Patienten mit COPD auch eine Niereninsuffizienz zeigen [5]. Dabei wird das chronische Nierenversagen oft nicht adäquat diagnostiziert, insbesondere bei älteren Patienten, bei denen aufgrund des begleitenden Muskelmasseverlustes (Sarkopenie) auch die Serumkreatinin-Werte noch im Normbereich liegen können [7].

Weniger gut untersucht ist bisher die Häufigkeit sowie die klinische Relevanz einer COPD bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz.

Genau dieser Frage wurde in dieser Studie nachgegangen. Dazu wurden Registerdaten [8] von Patienten mit einer glomerulären Filtrationsrate zwischen 15ml/min und 50 ml/min (Stadien G3 und G4 nach KDOQI) retrospektiv analysiert, die von 2005 bis 2012 in einer Klinik behandelt wurden.

Von den im Mittel 72,4 ± 11,8 Jahre alten Patienten hatten 4,7% eine COPD. Die Diagnose der COPD basierte ausschließlich auf der Grundlage der ICD-Kodierung. Angaben zur Sicherung der Diagnose durch eine Lungenfunktionsprüfung, eine Schweregradeinteilung der COPD und der Umfang der verordneten Therapie sind nicht verfügbar. Zudem erfolgte bei 27,1% der Patienten ohne Kodierung einer COPD eine Behandlung mit Bronchodilatatoren. Dies lässt vermuten, dass bei einem erheblichen Teil der Patienten eine obstruktive Ventilationsstörung nicht diagnostiziert oder nicht kodiert wurde [9].

Patienten mit COPD zeigen zudem häufig (10-50%) eine reduzierte Muskelmasse (Sarkopenie) [10], die wiederum mit Gebrechlichkeit (Frailty) und funktionellen Problemen bei der Bewältigung des Alltags [11] sowie einer Übersterblichkeit [12] assoziiert ist. Diese Zusammenhänge lassen sich naturgemäß aus einer retrospektiv angelegten Studie mit der Analyse von Registerdaten nicht untersuchen, da die dazu erforderlichen Daten nicht vorliegen.

Der Vorteil dieser Studie ist die große Zahl der eingeschlossenen Patienten. Eine COPD ist bei Patienten mit Vorliegen einer Niereninsuffizienz mit einer um den Faktor 1,41 (95%-KI 1,31-1,52) erhöhten Mortalität assoziiert. Nicht unerwartet waren in dieser Subgruppe die ventilationsbezogenen Todesursachen vierfach erhöht. Diese Ergebnisse rechtfertigen jedoch die Durchführung einer prospektiven Untersuchung, um den Zusammenhang zwischen Mortalität und COPD bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz und die Möglichkeiten von Interventionen konkret abschätzen zu können.

1.
Rabe KF, Hurd S, Anzueto A, et al.: Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstructive pulmonary disease: GOLD executive summary. Am J Respir Crit Care Med 2007;176:532-555.
2.
Hillas G, Perlikos F, Tsiligianni I, et al.: Managing comorbidities in COPD. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2015;10:95-109.
3.
Rascon-Aguilar IE, Pamer M, Wludyka P, et al.: Role of gastroesophageal reflux symptoms in exacerbations of COPD. Chest 2006;130:1096-1101.
4.
Mapel DW, Marton JP: Prevalence of renal and hepatobiliary disease, laboratory abnormalities, and potentially toxic medication exposures among persons with COPD. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2013;8:127-134.
5.
Chen C, Hsu T, Mao SJT, et al.: Abnormal renal resistive index in patients with mild-to-moderate chronic obstructive pulmonary disease. COPD 2013;10:216-225.
6.
Rascon-Aguilar IE, Pamer M, Wludyka P, et al.: Poorly treated or unrecognized GERD reduces quality of life in patients with COPD. Dig Dis Sci 2011;56: 1976-1980.
7.
Incalzi RA, Corsonello A, Pedone C, et al.: Chronic renal failure: a neglected comorbidity of COPD. Chest 2010;137:831-837.
8.
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9.
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Scanlon PD, Connett JE, Wise RA, et al.: Loss of bone density with inhaled triamcinolone in Lung Health Study II. Am J Respir Crit Care Med 2004;170:1302-1309.
11.
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12.
Landi F, Calvani R, Tosato M, et al.: Impact of physical function impairment and multimorbidity on mortality among community-living older persons with sarcopaenia: results from the ilSIRENTE prospective cohort study. BMJ Open 2016;6:e008281.
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