Background and objective: Limited data exist regarding the adverse events of advanced diagnostic bronchoscopy, with most of the available information derived from retrospective datasets that primarily focus on early complications. Methods: We conducted a 15-month prospective cohort study among consecutive patients undergoing endosonography and/or guided bronchoscopy under general anesthesia. We evaluated the 30-day incidence of severe complications, any complication, unplanned hospital encounters, and deaths. Additionally, we analyzed the time of onset (immediate, within 1 h of the procedure; early, 1 h–24 h; late, 24 h–30 days) and identified risk factors associated with these events. Results: Thirty-day data were available for 697 out of 701 (99.4%) enrolled patients, with 85.6% having suspected malignancy and multiple comorbidities (median Charlson Comorbidity Index (IQR): 4 (2–5)). Severe complications occurred in only 17 (2.4%) patients, but among them, 10 (58.8%) had unplanned hospital encounters and 2 (11.7%) died within 30 days. A significant proportion of procedure-related severe complications (8/17, 47.1%); unplanned hospital encounters (8/11, 72.7%); and the two deaths occurred days or weeks after the procedure. Low-dose attenuation in the biopsy site on computed tomography was independently associated with any complication (OR: 1.87; 95% CI 1.13–3.09); unplanned hospital encounters (OR: 2.17; 95% CI 1.10–4.30); and mortality (OR: 4.19; 95% CI 1.74–10.11).

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Abstract aus Magnini D, Sotgiu G, Bello G, et al.: Thirty-Day Complications, Unplanned Hospital Encounters, and Mortality after Endosonography and/or Guided Bronchoscopy: A Prospective Study. Cancers (Basel). 2023 Sep 12;15(18):4531.

Hintergrund

Tumorsuspekte Befunde aus der thorakalen Bildgebung sind häufig der Ausgangspunkt für eine weiterführende Abklärung.

Unter Allgemeinanästhesie durchgeführte endosonographisch gesteuerte transbronchiale Nadelaspirationen (endobronchial ultrasound-guided transbronchial needle aspiration, EBUS-TBNA) aus mediastinalen Lymphknoten und EBUS-gesteuerte periphere Biopsien (radiäre EBUS-Minisonde) stellen dabei wichtige spezielle diagnostische Elemente der bronchoskopischen Untersuchung dar.

Die Evidenz zur Sicherheit dieses Eingriffsspektrums in der klinischen Praxis ist gering.

Daniele Magnini und Kollegen untersuchten in ihrer monozentrischen prospektiven Beobachtungsstudie, wie häufig es bei ihrem Kollektiv von 701 konsekutiven Patienten zu Früh- und Spätkomplikationen kam [1]. Die Eingriffe wurden unter Allgemeinanästhesie über einen supraglottischen Beatmungs- und Bronchoskopiezugang durchgeführt (I-Gel, Intersurgical Ltd., Wokingham, UK). Eine Rapid-onsite evaluation (ROSE) der gewonnenen Proben stand den Untersuchern zur Verfügung.

Es wurde die 30-Tagesinzidenz von schweren Komplikationen, Komplikationen (unabhängig vom Schweregrad), ungeplanten Krankenhausaufnahmen und Todesfällen analysiert. Außerdem wurden die Zeitpunkte des Auftretens ermittelt (Sofortkomplikation: nach bis zu einer Stunde, Frühkomplikation: nach einer bis 24 Stunden, Spätkomplikation: nach 24 Stunden bis 30 Tagen) und Risikofaktoren für den Eintritt der Ereignisse identifiziert.

Ergebnisse der Studie

Innerhalb von 15 Monaten wurden 701 Patienten in die Studie rekrutiert, bei 697 Studienteilnehmern waren Daten aus der 30-Tageserhebung verfügbar. 86% der Studienteilnehmer wurden aufgrund eines bestehenden Tumorverdachts bronchoskopiert und wiesen zahlreiche Komorbiditäten auf (medianer Charlson Comorbidity Index: 4) [2‒5].

Schwere Komplikationen wurden nur selten erfasst (17 Patienten; 2,4% des Gesamtkollektivs; 3 Sofortkomplikationen, 6 Frühkomplikationen, 8 Spätkomplikationen). Diese Ereignisse waren am häufigsten durch respiratorische Insuffizienz, Infektionen und Blutungen bedingt. Bei 58,8% dieser Fälle (10 Patienten) war eine stationäre Behandlung erforderlich und 11,7% (2 Patienten) verstarben prozedurassoziiert innerhalb von 30 Tagen. Der Anteil an schweren prozedurassoziierten Komplikationen (47%), ungeplanten stationären Aufnahmen (72,7%) und die beiden Todesfälle ereigneten sich Tage bis Wochen nach der Prozedur (im Median nach 14 Tagen). Als «nicht schwere Komplikationen» wurden 69 Ereignisse kategorisiert. Als unabhängiger Risikofaktor für Komplikationen, ungeplante Krankenhausaufnahmen und Tod wurde die low-dose attenuation (LDA, Areale mit geringerer Gewebsdichte) innerhalb der Zielläsion im Computertomogramm (CT) identifiziert (Abb 1).

Abb. 1.

Infektiöse Komplikationen nach Endosonographie: Die kontrastverstärkte CT-Aufnahme zeigt eine Raumforderung im linken Unterlappen (weißer Pfeil) mit Kontrastminderung (A). Eine deutliche Größenzunahme der Lungenmasse und das Vorhandensein eines multilokulären Pleuraergusses (rote Pfeile), der auf ein Empyem hindeutet, waren auf einem Folge-CT zu erkennen, das 12 Tage nach einer EBUS-TBNA aus der Lungenläsion durchgeführt wurde (B). Natives CT (Patientin mit Kontrastmittel-Unverträglichkeit) mit vollständiger Atelektase des linken Oberlappens (mit Pfeilspitzen), einem subpleuralen Knoten im apikalen Segment des linken Unterlappens (roter Pfeil) und einem vergrößerten subcarinalen Lymphknoten (weißer Pfeil) (C). Vierzehn Tage nach einer EUS-B-FNA des subkarinalen Lymphknotens deutete ein Folge-CT, das wegen des Auftretens von anhaltendem hochgradigem Fieber durchgeführt wurde, auf eine Mediastinitis hin, was durch eine deutliche Vergrößerung des Lymphknotens (weiße Pfeile) und das Auftreten von intraläsionalen Lufteinschlüssen (rote Pfeilspitzen) angezeigt wurde (D) (aus: Cancers (Basel). 2023 Sep 12;15(18):4531).

Abb. 1.

Infektiöse Komplikationen nach Endosonographie: Die kontrastverstärkte CT-Aufnahme zeigt eine Raumforderung im linken Unterlappen (weißer Pfeil) mit Kontrastminderung (A). Eine deutliche Größenzunahme der Lungenmasse und das Vorhandensein eines multilokulären Pleuraergusses (rote Pfeile), der auf ein Empyem hindeutet, waren auf einem Folge-CT zu erkennen, das 12 Tage nach einer EBUS-TBNA aus der Lungenläsion durchgeführt wurde (B). Natives CT (Patientin mit Kontrastmittel-Unverträglichkeit) mit vollständiger Atelektase des linken Oberlappens (mit Pfeilspitzen), einem subpleuralen Knoten im apikalen Segment des linken Unterlappens (roter Pfeil) und einem vergrößerten subcarinalen Lymphknoten (weißer Pfeil) (C). Vierzehn Tage nach einer EUS-B-FNA des subkarinalen Lymphknotens deutete ein Folge-CT, das wegen des Auftretens von anhaltendem hochgradigem Fieber durchgeführt wurde, auf eine Mediastinitis hin, was durch eine deutliche Vergrößerung des Lymphknotens (weiße Pfeile) und das Auftreten von intraläsionalen Lufteinschlüssen (rote Pfeilspitzen) angezeigt wurde (D) (aus: Cancers (Basel). 2023 Sep 12;15(18):4531).

Close modal

Die Autoren beschreiben, dass die Studie während der COVID-19-Pandemie durchgeführt wurde und die Patientenauswahl in besonderem Maße vorselektioniert war. So wurden Patienten mit primär operablen Befunden und kleinen Tumoren nur selten bronchoskopiert, sondern vielmehr direkt operiert und nicht in die Studie rekrutiert. Außerdem wurden die Bronchoskopien auch bei fortgeschrittenem Tumorstadium primär mit erhöhtem technischen Aufwand durchgeführt (Herdsondierung generell mit EBUS-Minisonde und Durchleuchtung), um Doppeluntersuchungen zu vermeiden und damit Ressourcen zu sparen.

Fazit für die Praxis

Die Studie präsentiert einen interessanten Datensatz bei einer großen Patientenzahl. Dank des prospektiven Designs konnten mehrere Parameter systematisch erhoben und analysiert werden. Zwei Hauptaspekte werden anhand dieser Arbeit deutlich: die Bedeutung von Spätkomplikationen und die mögliche Relevanz von radiomorphologischen Inhomogenitäten der Zielläsion.

In der Literatur liegt der Fokus bei der Erfassung von Sicherheitsparametern und Komplikationen überwiegend auf Sofort- und Frühkomplikationen. Magnini und Kollegen präsentieren in der Studie systematisch erhobene Daten zur Spätkomplikationen und konnten die Relevanz dieser Komplikationen aufzeigen. Die Daten verdeutlichen damit, wie wichtig eine saubere Risikostratifikation ist, um die Patienten auch postinterventionell bei Bedarf eng monitoren zu können und Frühzeichen für Spätkomplikationen schnell adressieren zu können.

Die Bedeutung von radiologischen Phänomenen als Prädiktoren für postinterventionell auftretende Komplikationen wurde bereits in verschiedenen Arbeiten aufgezeigt [2‒5]. Die Daten aus der vorliegenden Studie zeigen, dass radiologische Parameter in die Risikostratifikation konsequent mit integriert werden sollten.

Disclosure Statement

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Wissenstransfer bestehen.

1.
Magnini
D
,
Sotgiu
G
,
Bello
G
, et al
.:
Thirty-Day Complications, Unplanned Hospital Encounters, and Mortality after Endosonography and/or Guided Bronchoscopy: A Prospective Study
.
Cancers (Basel)
.
2023 Sep 12
;
15
(
18
):
4531
.
2.
Kang
N
,
Shin
SH
,
Yoo
H
, et al
:
Infectious complications of EBUS-TBNA: A nested case control study using 10-year registry data
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Lung Cancer
.
2021
;
161
:
1
8
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3.
Souma
T
,
Minezawa
T
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Yatsuya
H
, et al
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Risk factors of infectious complications after endobronchial ultrasound-guided transbronchial biopsy
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Chest
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2020
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158
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797
807
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4.
Takiguchi
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et al
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Post-bronchoscopy pneumonia in patients suffering from lung cancer: Development and validation of a risk-prediction score
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2012
2018
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5.
Fortin
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Lesion heterogeneity and risk of infectious complications following peripheral endobronchial ultrasound
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2017
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22
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521
526
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