Background: There is limited information on the patient’s perspective of how biologic treatments impact their lives. We conducted a qualitative study to explore the patient’s experience of being considered a super-responder from a quality of life perspective. Methods: Patients with severe asthma identified as super-responders were invited to semi-structured interviews conducted online. Participants could bring a family member/friend to the interview. The interviews explored experiences of biologic treatment, were transcribed and underwent thematic analysis. Results: Twenty-five participants took part in this study. Themes emerged on the impact of biologic treatment for participants and for their friends/family: (i) Words used to describe their often life-changing experiences and (ii) the positive changes noted. Biologic treatment stopped the disruption of family life and social life caused by exacerbations. Improvements in mental health were also noted. Marked individual variations in the way it affected their lives were noted. Most participants noticed improvements 2–3 months after starting their biologic, but some noticed improvement within a few days and others after 6 months. Conclusion: Super-responders reported profound but heterogeneous improvements following biologic treatment beyond asthma symptoms and exacerbations including important benefits to social and family life. Improvements may be underestimated as social and family benefits are not reliably measured in current studies with implications for health economic evaluations. Not all patients are super-responders, and excellent responses may be lost in group mean data in trials. Individual time course and response patterns need further elucidation to identify who will respond best to biologics.

Abstract aus Lanario JW, Cartwright L, Jones RC, et al.: «Life-changing»: the experience of super-responders to biologics in severe asthma. BMC Pulm Med. 2022 Nov 28;22(1):445.

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Hintergrund

Die Behandlung des schweren unkontrollierten Asthmas hat durch die Einführung von Biologika eine neue therapeutische Dimension erreicht. Die zielgerichtete Blockade der Entzündungskaskade kann bei richtig selektierten Patienten zu ungekannten Therapieerfolgen führen. Es gibt jedoch große Unterschiede im Ansprechen auf die Therapie. Für das Therapieansprechen gibt es keine eindeutige, allumfassende Definition. Typische Erfolgsparameter in randomisierten Studien [1] waren die Reduktion der Exazerbationsrate mit einer Risikoreduktionsrate in Metaanalysen zwischen 0,44 (Dupilumab) und 0,56 (Omalizumab) sowie ein steroidsparender Effekt. Die Lungenfunktion war im Durchschnitt jedoch nur gering (zwischen etwa 110 und 180 ml) gebessert. Ein weiterer Parameter für den Therapieerfolg ist die Anzahl der Hübe der Bedarfsmedikation. Für Mepolizumab wurde in einer systematischen Untersuchung kein klinisch signifikanter Unterschied zu Standardtherapie gezeigt. Die subjektive Einschätzung der Therapieerfolge durch Fragebögen ergab kein einheitliches Bild. Trotz Verbesserung der Scores in den eingesetzten Fragebögen verfehlten die Daten aus randomisierten kontrollierten Studien den Schwellenwert des geringsten klinisch relevanten Unterschieds (minimum clinically important difference, MID). Einzelne Individuen haben unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen. Sie gewichten den Effekt der Behandlung daher unterschiedlich. Die beruflichen und finanziellen Folgen der Therapie, die zu einer verbesserten Arbeits- und Schulproduktivität und verringerten Fehlzeiten führen, sind darüber hinaus in verschiedenen Ländern nicht immer vergleichbar.

Ergebnisse der Studie

Joseph W. Lanario und Kollegen untersuchten Patienten mit eosinophilem Asthma, die von einem multidisziplinären Team als mögliche Super-Responder auf die Therapie mit Biologika eingeschätzt wurden. Als Auswahlkriterien wurden eine Verbesserung im Severe Asthma Questionnaire (=2x MID), eine Verbesserung der Global Rating of Change-Skala (gut, oder viel besser) und 50% Reduktion der oralen Steroide angewendet. 45 Patienten wurden angefragt, davon die ersten 25 Teilnehmer eingeschlossen. Neben Patienten wurden auch 14 Familienangehörige und Freunde befragt.

Als Ausgangssituation beschrieben die Patienten besonders häufig Luftnot und Schlafstörungen. Die Einschränkungen der sozialen Teilhabe und die Gewöhnung an die chronische Symptomlast wurden ebenfalls häufig beschrieben. Aufgrund von Exazerbationen mussten besonders in der kalten Jahreszeit häufig Steroide und Antibiotika eingesetzt werden. Familienmitglieder waren emotional besonders von Krankenhausaufenthalten und schweren Exazerbationen betroffen.

Die Autoren konnten erhebliche Verbesserungen (Kategorien: Beschreibung der Gesamtwirkung, der positiven Veränderungen im Einzelnen, Einschätzung der Familie/Freunde) für Patienten und deren Angehörige/Freunde aufzeigen. Daneben wurde der Zeitraum bis zum Ansprechen auf die Biologika-Therapie berichtet. Einzelne sprachen bereits nach 2 Tagen, andere erst nach 6 Monaten an. Die Mehrheit der Patienten berichtete über einen positiven Effekt nach 2–3 Monaten. Verbesserungen der mentalen Funktionen (besonders Angstzustände) machten sich erst später als die Verbesserung der physischen Einschränkungen bemerkbar.

Klassische Parameter wie die Einsekundenkapazität (forced expiratory volume in 1 second, FEV1) waren in der Kohorte nur wenig verändert (durchschnittlicher FEV1-Zugewinn 100 ml). Effekte auf das Familienleben werden in randomisierten Studien jedoch nicht erfasst. Die Autoren schlussfolgern, dass die objektiven Messwerte, die in Studien erhoben werden, das wahre Ausmaß der positiven Folgen für den Patienten und seine Familie nicht ausreichend reflektieren.

Die Limitationen der hier vorgestellten Studie sind die kleine kaukasische Patientengruppe aus Großbritannien im System des NHS und die persönlichen (nicht generalisierbaren) Kommentare.

Fazit für die Praxis

Die Therapie mit Biologika hat für viele betroffene Asthmatiker eine dramatische Verbesserung ihrer Lebenssituation bewirkt. Die Patientenperspektive wird in randomisierten Studien jedoch lediglich anhand der wenigen validierten Fragebögen erfasst. Dies wird dem wahren Einfluss auf das berufliche und soziale Leben nur unzureichend gerecht. Die Kommentare der Patienten aus dem vereinigten Königreich sind trotz der Limitationen der Untersuchung für den Kliniker durchaus lesenswert.

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Wissenstransfer bestehen.

1.
Agache
I
,
Beltran
J
,
Akdis
C
,
:
Efficacy and safety of treatment with biologicals (benralizumab, dupilumab, mepolizumab, omalizumab and reslizumab) for severe eosinophilic asthma. A systematic review for the EAACI Guidelines – recommendations on the use of biologicals in severe asthma
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Allergy
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