Ziele: Ziel der Studie war es herauszufinden, ob das «Comprehensive Geriatric Assessment» (CGA) geeignet ist, Komplikationen nach der Operation eines kolorektalen Karzinoms (CRC) vorherzusagen und die Probleme zu identifizieren. Wir verglichen hierzu den prognostischen Wert des CGA mit Patientencharakteristika und bestimmten prädiktiven Scores. Methoden: Insgesamt 156 Patienten im Alter ab 75 Jahren, die sich an der Universitätsklinik von Osaka in Japan einer CRC-Operation unterzogen, wurden in die Studie eingeschlossen. Jeder Patient wurde prospektiv nach CGA untersucht; alle postoperativen Komplikationen wurden den Krankenakten entnommen. Das CGA umfasste den Barthel-Index (BI), den Vitalitätsindex, die «Instrumental Activities Of Daily Living» (iADL)-Skala, die «Mini-Mental State Examination» (MMSE) und den «Geriatric Depression Score» (GDS). Alle Elemente wurden bei Patienten mit und ohne postoperative Komplikationen wie z.B. Delir, postoperative Wundinfektion und Ileus retrospektiv verglichen. Ergebnisse: Insgesamt traten bei 76 Patienten (48,7%) postoperative Komplikationen auf. BI und MMSE waren mit der Komplikationsinzidenz assoziiert und BI, iADL, MMSE sowie GDS waren signifikant mit dem Auftreten von Delirium assoziiert. Multivariate logistische Analysen identifizierten den MMSE als signifikante Determinante postoperativer Komplikationen nach Bereinigung um andere ermittelte prognostische Scores, darunter «Prognostic Nutritional Index» und «Performance Status». Schlussfolgerung: Die Anwendung der CGA vor einer CRC-Operation erwies sich als sinnvoller Prädiktor für postoperative Komplikationen bei älteren Patienten.

Hintergrund

Die Arbeitsgruppe um Yukako Mokutani untersuchte, ob mittels eines geriatrischen Assessments (Comprehensive Geriatric Assessment, CGA) postoperative Komplikationen bei älteren Patienten vorhergesagt werden können. Diese Untersuchung reiht sich daher in andere Untersuchungen ein, wie sie beispielsweise im Rahmen der Initiative Geriatrische Hämatologie und Onkologie als Registerstudie zur Identifikation von Risikoclustern geriatrischer Tumorpatienten bereits vorgenommen worden sind.

Studie

Insgesamt umfasste die Studie 908 Patienten, die zwischen 2005 und 2014 im Krankenhaus krebsbedingt behandelt worden waren. Hiervon hatten 266 CRC, davon wurden 169 für die Untersuchung ausgewählt. Aus verschiedenen Gründen (abgesagte Operation, unvollständige Daten usw.) wurden 13 Patienten dieser Gruppe aus der Studie ausgeschlossen, sodass schließlich 156 Patienten (≥75 Jahre) elektiv einer Operation des kolorektalen Karzinoms (CRC) am Universitätskrankenhaus Osaka zugewiesen und in dieser Studie ausgewertet wurden.

Assessment-Instrumente

Die Aktivitäten des täglichen Lebens wurden im Rahmen des CGA mit dem Barthel-Index (BI) erfasst; bei körperlich aktiveren Patienten wurde gegebenenfalls die «Instrumental Activities of Daily Living Scale» (IADL) angewendet. Zur Abklärung der kognitiven Situation diente der «Mini-Mental State Examination» (MMSE)- Test und zum Nachweis oder Ausschluss einer Depression die «Geriatric Depression Scale» (GDS). Das mittlere Alter der Patienten betrug 80,2 Jahre (±4,1 Jahre).

Ergebnis

Beinahe bei der Hälfte (76 Patienten = 48,7%) der Fälle traten postoperativ Komplikationen auf. Zu den Komplikationen zählten (in der Reihenfolge der Häufigkeit) das postoperative Delir (31%), Wundinfektionen (11%), Ileus (8%), Harnwegsinfektionen (7%) und seltenere Probleme wie OP-assoziierte Infektionen sowie Exazerbationen kardialer und pulmonaler (Vor-)Erkrankungen der Anastomosen-Naht-Insuffizienz (letztere lediglich 2%), etc. Ein kompromittierter Mini-Mental-Status, aber auch Hinweise auf das Vorliegen einer Depression sowie einer Störung der Selbstversorgungsfähigkeit (nach BI) waren korreliert mit dem Auftreten von Komplikationen aller Art, vor allem einem postoperativem Delir. Ebenfalls ein Prädiktor für das Auftreten von postoperativen Komplikationen war ein reduzierter Ernährungsstatus.

Fazit für die Praxis

Wenn auch nicht grundsätzlich neu, so zeigt diese Arbeit, diesmal entitätsbezogen auf die Chirurgie des CRC, dass Instrumente des geriatrischen Assessments relevant sind für die Vorhersagbarkeit von postoperativen Komplikationen, insbesondere für das Auftreten eines postoperativen Delirs. Insbesondere die Bestimmungen des kognitiven Status mit delegierbaren und damit absolut praxistauglichen Tests wie dem MMSE-Test sind ebenso wie die Erfassung des Selbstversorgungsstatus (BI) und der gewichteten Komorbidität (z.B. Charlson Score) von hohem prognostischen Wert, wobei die Bedeutung der Kognition in der Onkologie bislang unterschätzt wurde [1].

Im Rahmen eines geriatrischen Assessments und der prognostischen Risikobeurteilung ist in jedem Fall ein standardisiertes Testverfahren zur Erfassung der Kognition einzusetzen. Nur mithilfe solcher Verfahren ist es möglich, z.B. bei Patienten mit guter mentaler Fassade, versteckte demenzielle Syndrome zu erfassen, um diese Patienten gezielt z.B. einer intensiven postoperativen Beobachtung und Behandlung, gegebenenfalls in Kooperation mit geriatrisch versierten Kollegen, zu unterziehen.

Disclosure Statement

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Kommentar bestehen.

1.
Honecker F, Wedding U, Rettig K, Huschens S, Bokemeyer C, on behalf of the In-GHO Advisory Board: Incorporation of a geriatric assessment into oncology practice: views and attitudes of physicians participating in the IN-GHO registry. J Clin Oncol 2011;29(suppl):abstr e1907.
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