Background: The current accuracy of frozen section diagnosis of tumor spread through air spaces (STAS) in non-small cell lung cancer (NSCLC) is poor. However, the accuracy and prognostic value of STAS assessment on frozen sections in small-sized NSCLC (diameter ≤2 cm) is unknown. Methods: Three hundred fifty-two patients with clinical stage I NSCLC (≤2 cm) were included, of which the parafin sections and frozen sections were reviewed. The accuracy of STAS diagnosis in frozen sections was assessed using parafin sections as the gold standard. The relationship between STAS on frozen sections and prognosis was assessed by the Kaplan–Meier method and log-rank tests. Results: STAS on frozen sections in 58 of 352 patients could not be evaluated. In the other 294 patients, 36.39% (107/294) was STAS-positive on parafin sections and 29.59% (87/294) on frozen sections. The accuracy of frozen section diagnosis of STAS was 74.14% (218/294), sensitivity was 55.14% (59/107), specifcity was 85.02% (159/187) and agreement was moderate (K = 0.418). In subgroup analysis, the Kappa values for frozen section diagnosis of STAS in the consolidation-to-tumor ratio (CTR) ≤0.5 group and CTR > 0.5 group were 0.368, 0.415, respectively. In survival analysis, STAS-positive frozen sections were associated with worse recurrence-free survival in the CTR >0.5 group (P > 0.5) suggests that frozen section assessment of STAS can be applied to the treatment strategy of small-sized NSCLC with CTR > 0.5.

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Abstract aus Ding Y, Zhao S, Liu X, et al.: The value of frozen section diagnosis of tumor spread through air spaces in small-sized (≤2 cm) non-small cell lung cancer. World J Surg Oncol. 2023 Jul 3;21(1):195.

Hintergrund

Tumor spread through air spaces (STAS) meint mikropapilläre Cluster, Tumornester oder einzelne Tumorzellen, die in Luftwegen jenseits des Tumorrandes eines nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms (non-small cell lung carcinoma, NSCLC) vorgefunden werden. Histomorphologisch ist es ein Zeichen der Tumorinvasivität und wurde 2015 in die WHO-Klassifikation aufgenommen. Am häufigsten kommt STAS beim Adenokarzinom, bei pleuraler, vaskulärer oder lymphatischer Invasion vor. Häufigkeit und Ausprägung von STAS korrelieren mit der Tumorgröße und dem Lymphkotenbefall. Auch bei 14% der T1a-Tumoren können STAS nachgewiesen werden. Es ist sicher, dass STAS eine negative Auswirkung auf das Überleben hat. Beim Ausmaß von STAS wird zwischen STAS I (innerhalb von 2500 µm vom Tumorrand entfernt) und STAS II (außerhalb von 2500 µm) unterschieden (Abb 1). Der Nachweis von STAS II bei Patienten mit einem non-muzinösen Adenokarzinom im Stadium IA ist mit einem signifikant kürzeren rezidivfreien und tumorassoziierten Überleben vergesellschaftet. Interessanterweise ist der Nachweis von STAS II nicht nur bei der sublobären, sondern auch bei der Lobektomie ein negativer Prognosefaktor für ein Rezidiv [1].

Abb. 1.

Definition des Ausmaßes der STAS-Einstufung in der histologischen Untersuchung.

Abb. 1.

Definition des Ausmaßes der STAS-Einstufung in der histologischen Untersuchung.

Close modal

Wenn Tumorcluster innerhalb eines Feldes der 10-fachen Objektivlinse (2500 μm Durchmesser: roter Kreis) vom Rand des Haupttumors entfernt innerhalb der gestrichelten Linie vorhanden waren, wurde dies mit der Einstufung I bewertet. Tumorcluster, die außerhalb des STAS-I-Bereichs existierten, mit der Einstufung II (20-fache Vergrößerung). In diesem Fall handelte es sich um STAS II bei Adenokarzinom (schwarzer Pfeil; 400-fache Vergrößerung). Figure published in Modern Pathology 34(3), Han YB, Kim H, Mino-Kenudson M, et al., Tumor spread through air spaces (STAS): Prognostic significance of grading in non-small cell lung cancer, pp. 549–561, Copyright the Author(s) under exclusive licence to Unmited States & Canada Academy of Pathology (2020).

Basierend auf 3 multizentrischen, randomisierten Studien kann gegenwärtig bei einem frühen NSCLC (Stadium IA, ≤2 cm) eine sublobäre Resektion erfolgen. Dies basiert im Wesentlichen auf einer Nicht-Unterlegenheit bzgl. des krankheitsfreien Intervalls im Vergleich zur Lobektomie (CALGB 140503, DRKS00004897) [2, 3]. Voraussetzung für eine limitierte Resektion war der intraoperative Nachweis der Nodalnegativität und ein ausreichender Sicherheitsabstand von >2 cm zum Resektionsrand. In einer japanischen Studie wurden nur Tumore mit einer Consolidation-to-tumour Ratio (CTR) von >0,5 eingeschlossen (JCOG0802/WJOG4607L) [4]. Auf Grund des länger zurückliegenden Studiendesigns konnte der intraoperative Nachweis von STAS bei den Studien nicht berücksichtigt werden. Inzwischen haben einige Studien gezeigt, dass Patienten mit STAS-positivem NSCLC im Stadium I, die sich einer Lobektomie unterzogen, eine bessere Prognose haben als diejenigen, die sich einer Sublobektomie unterzogen [5‒8]. Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine sorgfältigere Behandlung von Patienten mit STAS erforderlich sein könnte, um die Prognose zu verbessern. Ziel sollte es sein, intraoperativ STAS zu detektieren, um das Resektionsausmaß anpassen zu können. Die Genauigkeit der derzeit verfügbaren Gefrierschnittmethode zur sicheren Identifikation von STAS wird mit der hier kommentierten Studie von Yun Ding und Mitautoren untersucht.

Ergebnisse der Studie

Mittels einer retrospektiven Analyse von 352 Patienten nach Lobektomie (87,2%) oder sublobärer Resektion (12,8%) wegen eines NSCLC im Stadium I (≤2 cm) sollte die Genauigkeit des Nachweises von STAS im intraoperativen Gefrierschnitt bestimmt werden. Als Referenz diente der postoperative Paraffinschnitt unter Hinzuziehung der Immunhistochemie. Die Sensitivität, Spezifität, Genauigkeit und das Maß der Übereinstimmung (Kappa, κ) sowie das Gesamt- und rezidivfreie Überleben wurden zwischen Gefrierschnitt- und Paraffinschnittverfahren verglichen.

Subgruppenanalysen wurden bei unterschiedlichen maximalen Tumordurchmessern (Tdmax ≤1 cm vs. >1 cm) sowie bei unterschiedlichen soliden Tumoranteilen (CTR ≤0,5 vs. >0,5) vorgenommen.

58 Patienten waren nicht auswertbar, da im Gefrierschnitt kein normales Lungengewebe im Präparat vorhanden war. Bei den auswertbaren 294 Patienten wurden mit dem Paraffinschnitt bei 36,4% und mit Gefrierschnitt bei 29,6% STAS nachgewiesen. Das entspricht einer Sensitivität von 55,1%, einer Spezifität von 85% und einer Genauigkeit von 74,1%. Die Übereinstimmung (κ = 0,42) wurde als moderat eingestuft. Patienten mit STAS-Nachweis im Paraffinschnitt hatten im Vergleich zu Patienten ohne STAS-Nachweis ein signifikant schlechteres Gesamt- und rezidivfreies Überleben. Der Nachweis oder Ausschluss von STAS im Gefrierschnitt hatte keinen Einfluss. Lediglich Patienten mit einem CTR >0,5 wiesen bei Nachweis von STAS im Gefrierschnitt ein signifikant schlechteres rezidivfreies Überleben auf.

Fazit für die Praxis

Der Nachweis von STAS ist prognostisch von Bedeutung. Bei der Resektion eines frühes Lungenkarzinoms (Stadium I, ≤2 cm) muss dieser Prognosefaktor zukünftig bei der Wahl des Resektionsausmaßes Berücksichtigung finden. Beim intraoperativen Nachweis von STAS bei diesem Stadium und einer CTR >05, scheint die sublobäre Resektion mit einem schlechteren rezidivfreien Überleben einherzugehen, so dass die Lobektomie zu präferieren ist. Derzeit ist jedoch die Genauigkeit der intraoperativen Gefrierschnittdiagnostik als Voraussetzung für eine valide intraoperative Entscheidung unzureichend.

Dieser Beitrag wurde erstveröffentlicht in Kompass Pneumologie 2023;11:298–300.

Disclosure Statement

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Wissenstransfer bestehen.

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