Hintergrund: In klinischen Studien wird die Messung der Lebensqualität als sekundärer Endpunkt häufig genutzt. Im klinischen Alltag hingegen wird die Lebensqualität nur selten ermittelt. Ziel der Studie war es, die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Tumoren unter palliativer Chemotherapie zu messen. Zusätzlich wollten wir die Ergebnisse für die Messung von «Schmerz» und «Depression» des EORTC QLQ-C30 mit den Ergebnissen spezifischer Fragebögen, dem BDI (Beck-Depressions-Inventar) und der VAS (visuelle Analogskala), vergleichen. Patienten und Methoden:150 Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, die eine palliative Chemotherapie erhielten, füllten 3 Fragebögen aus: Zur Messung der Lebensqualität den EORTC QLQ-C30, zur Messung von Depression den BDI, sowie die VAS zur Messung der Schmerzintensität. Ergebnisse: In der vorliegenden Untersuchung fanden sich Hinweise auf Defizite sowohl in der Tumor-Schmerztherapie als auch bei der Behandlung von Depressionen. Es fand ich eine gute Korrelation zwischen dem EORTC QLQ-C30 und sowohl dem BDI (r = 0,63) als auch der VAS (r = 0,86). Schlussfolgerung: Die Notwendigkeit zur Verbesserung der Symptomerfassung wurde anhand der Beispiele Schmerz und Depression gezeigt. Die hohe Korrelation zwischen dem QLQ-C30 und dem BDI sowie der VAS zeigt, dass weitere Studien zur Implementierung des QLQ-C30 als Screening-Instrument oder als Verlaufsparameter im klinischen Alltag sinnvoll und gerechtfertigt sind. Übersetzung aus Onkologie 2013;36:33-37 (DOI:10.1159/000346670)

Katharina Schultheisa Ralf-Dieter Hofheinza Deniz Gencera James A. Blunkb Justus Benrathc

aTagesTherapieZentrum, Interdisziplinäres Tumorzentrum, Mannheim, bSchmerzzentrum, Uniklinik Köln, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Köln, cSchmerzzentrum, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsmedizin Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim, Germany

Trotz aller wissenschaftlichen Diskussionen um Überlebenszeiten stehen in der palliativen Behandlung unserer Patienten der Erhalt der Lebensqualität und die Besserung tumorbedingter Symptome im Vordergrund. Auch auf Druck der Zulassungsbehörden hat daher die Erfassung der Lebensqualität fast regelhaft Eingang in klinische Studien zur palliativen Chemotherapie gefunden. In der täglichen Praxis verzichten wir allerdings in der Regel darauf, diese zu messen und zu dokumentieren. Meist führen wir den hohen Aufwand für Patienten und Arzt sowie die mangelnde Aussagekraft der Erfassungsinstrumente als Ausrede ins Feld.

Die Arbeitsgruppe am Tumorzentrum Mannheim hat in einer prospektiven Untersuchung unterschiedliche Messinstrumente zur Symptomerfassung bei ambulant behandelten Tumorpatienten untersucht. Fragebögen von 150 Patienten konnten ausgewertet werden. Dabei zeigten sich zunächst Einschränkungen in der Lebensqualität insbesondere im Bereich der «Sozialfunktion». Die Gründe hierfür waren nicht Gegenstand der Untersuchung. Aber es darf vermutet werden, dass die Diagnose Krebs auch heute noch in der Lage ist, Patienten in unserer Gesellschaft zu isolieren.

Weiterhin bestanden tumor- oder therapiebedingte Symptome in relevantem Ausmaß. Nicht unerwartet wurde «Fatigue» am häufigsten als belastendes Symptom genannt. Da wir in diesem Punkt überwiegend hilflos sind, scheint gerade zu diesem Thema weitere Forschung nötig. Über die Hälfte der Patienten litt unter Schmerzen, davon etwa ein Viertel unter starken Schmerzen. Interessanterweise nahmen 67% keine Schmerzmittel ein, und nur 10% erhielten eine Therapie mit starken Opioiden entsprechend WHO Stufe III. Diese Zahlen machen betroffen, wenn man bedenkt, welch negativen Einfluss Schmerz auf die Lebensqualität der Patienten hat und dass Schmerz eines der Symptome darstellt, die sehr gut beeinflussbar sind. Offenbar ist dieses Thema für die Fort- und Weiterbildung in der Onkologie weiterhin von großer Bedeutung. Hilfreich für die tägliche Praxis ist die Tatsache, dass die Erfassung der Schmerzen mit dem sehr einfachen Instrument, der Visuellen Analogskala (VAS), offenbar genauso gut gelang wie mit dem komplexen Lebensqualitätsbogen QLQC-30 der EORTC. Da beide Instrumente gut validiert sind, kann als Ergebnis dieser Untersuchung die Anwendung der VAS in der Praxis empfohlen werden.

Besonderes Augenmerk legte die Untersuchung auch auf die Erfassung von Depressionen. Zahlen aus der Literatur zu deren Häufigkeit schwanken erheblich. Unter Einsatz des Beck Depression Inventory (BDI) erfüllten 13% der Patienten die Kriterien für die Screening-Diagnose Depression. Keiner dieser Patienten erhielt eine spezifische Therapie. Auch diese Tatsache spricht dafür, dass hier Ausbildungsbedarf bei Onkologen besteht - dies umso mehr, als die Patienten mit dem Verdacht auf eine Depression in nahezu allen Bereichen des Lebensqualitätsbogens schlechtere Werte erreichten als Patienten ohne Hinweise auf eine Depression.

Ambulant behandelte Tumorpatienten weisen in relevantem Umfang Symptome auf, die behandlungspflichtig sind und die Lebensqualität einschränken. Die Erfassung ist nur teilweise mit sehr einfachen Instrumenten möglich (Beispiel Schmerz). Die Evaluation von einfachen Instrumenten für die Praxis ist daher unverändert notwendig. Auch solche Symptome, die medikamentös gut beeinflussbar sind, werden nicht generell adäquat behandelt. Damit haben Untersuchungen wie die von Schultheis et al. Konsequenzen auch für die Fort- und Weiterbildung in der Onkologie.

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