Hintergrund: Eine der wichtigsten dermatologischen Nebenwirkungen von Doxycyclin ist erhöhte Lichtempfindlichkeit. Da Doxycyclin eine wichtige Rolle für die Malariaprophylaxe spielt und Malaria vor allem in sonnenreichen Ländern verbreitet ist, gebührt dieser Nebenwirkung besondere Aufmerksamkeit. Zwar liegen bereits zahlreiche Publikationen zur Fototoxizität von Tetrazyklinen im Allgemeinen vor, doch nur wenige befassen sich gezielt mit Doxycyclin. Das Ziel der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit war es, alle verfügbaren Berichte zu klinischen Manifestation, Einflussfaktoren wie UV- und Arzneimitteldosis sowie die Möglichkeiten der Prävention durch Sonnenschutz zusammenzufassen. Methoden: Die vorliegende Übersicht beruht auf einer systematischen Literatursuche in PubMed nach Artikeln in englischer und deutscher Sprache sowie einer manuellen Suche für den Zeitraum von 1990 bis 2015. Ergebnisse: Die Zahl der Publikationen ist gering. Die klinischen Symptome reichen von leichten sonnenbrandartigen Erscheinungen (brennendes Gefühl, Hautrötung) bis zu großflächiger Fotodermatitis. Auch Onycholyse kann vorkommen. Das auslösende UV-Spektrum scheint vorwiegend im UVA1-Bereich (340-400 nm) zu liegen, daher sollten Lichtschutzmittel angewandt werden, die diesen Bereich abdecken. Personen, die in tropische Regionen reisen und Doxycyclin als Malariaprophylaxe einnehmen, bedürfen eingehender ärztlicher Beratung, um potenziell schwerwiegende fototoxische Reaktionen zu vermeiden. Schlussfolgerung: Es bedarf einer verbesserten Evidenzbasis, um Reisende, die Doxycyclin einnehmen und dem Risiko hoher UV-Exposition unterliegen, zu angemessenen Präventionsmaßnahmen beraten zu können.

Hintergrund

Zahlreiche topische und systemische Arzneimittel (exogene Photosensibilisatoren) verstärken die hautschädigende Wirkung natürlichen und künstlichen UV-Lichts und führen zu Hautreaktionen, die einem Sonnenbrand ähnlich sind. Die Folge einer solchen Photosensibilisierung ist die Photosensitivität, die sich häufiger als Phototoxizität, weniger als Photoallergie äußert, wobei die Differenzialdiagnostik hier schwierig ist, da einige Substanzen sowohl phototoxische als auch photoallergische Eigenschaften aufweisen. Neben der Einnahme von Medikamenten kann auch die Anwendung von Hautcremes oder Parfüm zu einer phototoxischen Reaktion führen. Phototoxische Reaktionen sind nicht immunologisch bedingt und können daher theoretisch bereits nach der ersten Exposition mit dem Photosensibilisator bei jedem Menschen auftreten [1]. Eine Datenbank, in der Photosensibilisatoren systematisch erfasst werden, fehlt bislang.

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit fasst alle erhältlichen Berichte über die klinische Manifestation von Fototoxizität nach Doxycyclineinnahme zusammen, unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie UV-Dosis, Dosis der Medikation und Möglichkeit der Prävention durch Lichtschutz. Das Review basiert auf einer Pubmed-Recherche von 1990 bis 2015.

Studienergebnisse

Die Anzahl an geeigneten Publikationen ist niedrig. Die klinische Manifestation fototoxischer Reaktion von Doxycyclin ist charakterisiert durch typische Symptome wie sonnenbrandähnliche Erscheinungen in sonnenexponierten Arealen, palpable erythematöse Plaques, kleine Pusteln, moderaten bis starken Schmerz und Juckreiz sowie Blasenbildung. In einigen Fällen ist auch Photoonycholyse beschrieben.

Der Begriff «phototoxic reaction» ist in den Publikationen nicht einheitlich verwendet. Berücksichtigt man all diese Einschränkungen, variiert die Entstehung fototoxischer Reaktionen zwischen 6 und 44%.

Kritik und Fazit für die Praxis

Es existieren nur wenige Publikationen zu Fototoxizität auf Doxycyclin. Die gesammelte Information ist hauptsächlich abgeleitet von Fallberichten. Es ist sehr schwer, geeignete Daten zu erfassen, da die fototoxischen Reaktionen abhängig sind von der geographischen Lokalisation, wo sich der Patient aufhält, dem Verhalten des Patienten gegenüber Sonnenexposition und dem Lichtschutz.

Für systematische Präventionsmaßnahmen muss die Evidenzbasis auf diesem Gebiet angesichts der dürftigen Datenlage verbessert werden. Daher arbeiten nationale wie internationale Organisationen derzeit an einer systematischen Erfassung von Informationen über photosensibilisierende Medikamente. Die WHO organisiert das Wissen in ihrem Programm «International Drug Monitoring», das Committee of Safety of Medicines/Medicines Control Agency in Großbritannien mit der Datenbank «Yellow card» sowie die US-amerikanische Food and Drug Administration mit der Datenbank DRUGDEX. Meldungen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) in Deutschland werden in dem Deutschen UAW-Spontanerfassungssystem, einer gemeinsamen Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), gesammelt [2]. Dieses System erfasst Daten, die auf freiwilligen Meldungen von Ärzten, Apothekern und der pharmazeutischen Industrie basieren, also nicht auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen [1].

Disclosure Statement

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Kommentar bestehen.

1.
Schauder S: Wenn Arzneimittel und Licht unverträglich sind. Pharmazeutische Zeitung 2019;19:29754.
2.
Deutsches UAW-Spontanerfassungssystem. Gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ: www.akdae.de (letzter Zugriff 04.09.2017).
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