Hintergrund: Bisher ist nicht bekannt, dass Injektionen von Botulinumtoxin Typ A in die Stirn Nebenwirkungen auf das Haar hätten. Ziel: Ziel des vorliegenden Papers ist es, einen neuen Alopezietyp bei Frauen zu beschreiben, die regelmäßige Injektionen von Botulinumtoxin Typ A gegen Stirnfalten erhielten, und diesen Alopezietyp von anderen Arten des Haarausfalls abzugrenzen. Methoden: Wir führten eine Beobachtungsstudie an 5 Frauen durch, die aus einer Privatpraxis sowie einer institutionellen Praxis rekrutiert worden waren und über einen fortschreitenden Rückgang des Haaransatzes nach regelmäßigen Injektionen von Botulinumtoxin Typ A in die Stirn klagten. Ergebnisse: Alopezie des frontalen Haaransatzes war bei allen 5 Patientinnen evident, wobei die Trichoskopie keine Hautatrophie, Vernarbung oder progressive Haarminiaturisierung zeigte. Schlussfolgerung: Dermatologen sollten sich bewusst sein, dass nach wiederholten Injektionen von Botulinumtoxin Typ A gegen Stirnfalten frontale Alopezie auftreten kann.

Hintergrund

Botulinumtoxin A (BTXA)-Injektionen im Rahmen ästhetischer Behandlungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Nebenwirkungen, die in diesem Rahmen auftreten können, sollten immer sehr kritisch untersucht werden. Bisher wurde noch nie in der Literatur über die frontale Alopezie im Rahmen von BTXA-Injektionen in der Stirn berichtet.

Studienergebnisse

Ziel dieser Arbeit war es, einen neuen Alopezietyp bei Frauen zu beschreiben, die regelmäßig mit BTXA in der Stirn behandelt werden.

Berichtet wird über 5 Frauen (mittleres Alter 52,7 Jahre), die über einen Zeitraum von 1 bis 10 Jahren (Mittel 2,6) alle 4 bis 6 Monate mit BTXA behandelt wurden und schließlich über eine progressive Rezession der Haarlinie klagten. Vorher-/Nachher-Fotos lagen nicht vor. Die Untersuchung der Patientinnen zeigte eine normale Haut ohne Atrophie, Narbenbildung oder sichtbare follikuläre Ostien. Da die Patientinnen aus verschiedenen Praxen/Kliniken rekrutiert wurden, können keine Angaben über Dosis und Injektionsareale bzw. -punkte an der Stirn gemacht werden.

Kritik

Aufgrund der Beobachtung einer frontalen Alopezie bei 5 Frauen wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Alopezie in Zusammenhang mit den BTXA-Injektionen stehen könnte, was als BIFA (botulinum-induced frontal alopecia) bezeichnet wird. Das Symptom ist komplex; als Mechanismen diskutiert werden Veränderungen der Substanz P, des calcitonin gene-related peptide (CGRP), verminderte neurologische Stimulation, Blockade der autosomalen Funktion etc.

In der Literatur sind bisher keine weiteren Publikationen zum Thema Alopezie im Rahmen von BTXA-Behandlungen zu finden. Paradoxerweise gibt es zwei Studien zum Thema Verbesserung androgenetischer Alopezie [1] und Alopecia areata [2], die aber kein positives Ergebnis des Gesamtbefundes zeigen. Die Rationale (vermehrte Durchblutung der Kopfhaut, Veränderung der Neurotransmitter, Zytokine) trifft demnach hierfür nicht zu.

Fazit für die Praxis

Generell sollten Berichte über mögliche Nebenwirkungen ästhetischer Behandlungen sehr kritisch aufgenommen werden. Aus 5 Fällen bereits eine neue Diagnose bzw. Entität (BIFA) zu postulieren, ist allerdings etwas weit gegriffen, zumal keine Angaben über Injektionspunkte und Volumina bekannt sind sowie keine Fotodokumentation besteht.

Es macht aber durchaus Sinn, seinen Blick für mögliche Komplikationen zu schärfen und in weiteren Studien der Frage der frontalen Alopezie nachzugehen.

Disclosure Statement

Hiermit erkläre ich, dass keine Interessenskonflikte in Bezug auf den vorliegenden Kommentar bestehen.

1.
Freund BJ, Schwartz M: Treatment of male pattern baldness with botulinum toxin: a pilot study. Plast Reconstr Surg 2010; 126: 246e-248e.
2.
Cho HR, Lew BL, Lew H, Sim WY: Treatment effects of intradermal botulinum toxin type A injection on alopecia areata. Dermatol Surg 2010;36(suppl 4):2175-2181.
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