Hintergrund: Das Management von Lymphödemen ist komplex und sollte an Leitlinien ausgerichtet sein. Bisher liegen keine Daten zur Beurteilung der Versorgungsqualität beim Lymphödem in Deutschland vor.Ziel: Ziel dieser Arbeit war die Beurteilung der Versorgungsqualität beim Lymphödem im Großraum Hamburg anhand von leitlinienbasierten Indikatoren.Methoden: In die bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie wurden Patienten mit Lymphödem eingeschlossen. Die Beurteilung umfasste ein strukturiertes Interview, eine klinische Untersuchung sowie Verlaufsparameter laut Selbstauskunft der Patienten. Es wurden Qualitätsindikatoren angewendet, die mittels eines Delphi-Konsensus aus den nationalen und internationalen Leitlinien abgeleitet worden waren.Ergebnisse: 348 Patienten (Altersmedian 60,5 Jahre) mit Lymphödem (66,4%), Lipödem (9,5%) oder Lipolymphödem (24,1%) wurden in die Studie eingeschlossen. Bei 86,4% wurde eine Kompressionstherapie angewandt, bei 85,6% Lymphdrainagen. Im Mittel wurden 55,0% der Indikatoren für die Versorgungsqualität erfüllt; 64,8% der Patienten waren mit der Versorgung zufrieden. Die Verteilung des Versorgungsindex war nahezu normal. Die Behandlung bei Lymphspezialisten ging mit einem höheren Versorgungsqualitätsindex einher.Schlussfolgerung: Obwohl die Versorgungsqualität beim Lymphödem insgesamt nicht schlecht ist, werden viele Patienten nicht fach- und leitliniengerecht behandelt.Übersetzung aus Dermatology 2013;226:238-246 (DOI: 10.1159/000349988)

Originalartikel

K. Herbergera C. Blomea A. Sandnera·F. Altheideb·K. Heyera·K.C. Münterc·W.R. Gottliebd·M. Augustina

aCVderm - Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland; bDermatologische Praxis, Hamburg, Deutschland; cPhlebologische Praxis, Hamburg, Deutschland; dLymphologische Praxis, Hamburg, Deutschland

Das chronische Lymphödem geht mit starken Beeinträchtigungen der Lebensqualität der betroffenen Patienten einher und weist eine hohe Rate von Komplikationen auf. Andererseits ist das Management des Lymphödems komplex und zeitaufwendig und erfordert eine kontinuierliche, ausdauernde Therapie.

In der hier vorgestellten Studie von Herberger et al. wurden zusätzlich zu der Qualität der Versorgung von Patienten mit Lymphödem Aspekte aufgezeigt, die bei der Betreuung dieser Patienten wichtig sind.

Der Dermatologe hat einen großen Stellenwert in der Therapie des Lymphödems. So ließen 40,5% der Studienteilnehmer ihr Lymphödem von Dermatologen behandeln; die nächstgrößeren konsultierten Arztgruppen waren Allgemeinmediziner mit 21,3%, Internisten mit 14,1% und Gynäkologen mit 12,4%.

Immerhin zwei Drittel der von Herberger et al. untersuchten Patienten hatten Lymphödeme an den Beinen; lediglich ein deutlich geringerer Anteil von 18% war an den Armen sowie von 17,5% an Armen und Beinen betroffen. Die meisten Patienten wiesen ein fortgeschrittenes Stadium mit fibrotischem Gewebeumbau und irreversiblen Umfangsvermehrungen auf (Stadium II). Ein wichtiger Aspekt für das Management des Krankheitsbildes war bei diesen Probanden der mittlere Body-Mass-Index von 31. Dies bedeutet, dass bei einem Großteil der Patienten ein Übergewicht bzw. eine fortgeschrittene Adipositas vorlagen - 48% waren adipös. Dementsprechend war auch die arterielle Hypertonie häufig vertreten (bei 43,7% der Patienten). Aus diesem Grund sollten ärztliche Kollegen, die Patienten mit Lymphödem betreuen, auch diagnostische und therapeutische Kenntnisse in Bezug auf Adipositas haben.

30,5% der Patienten wiesen eine venöse Insuffizienz auf; immerhin 13,8% hatten eine tiefe Beinvenen-Thrombose in der Vorgeschichte. Daher ist eine systematische Untersuchung des Venensystems bei Patienten mit Lymphödem an den Beinen angezeigt.

Vor dem Hintergrund der häufigen begleitenden Venenerkrankungen ist es unbefriedigend, dass lediglich bei 56,9% der Patienten die Venen und Arterien systematisch untersucht worden sind.

Die Kompressionstherapie ist bei der Behandlung des Lymphödems von zentraler Bedeutung. Allerdings konnten nur 36,2% der Teilnehmer der hier kommentierten Studie davon berichten, dass der korrekte Sitz der Kompressionsstrümpfe kontrolliert worden sei. Dies ist insbesondere deshalb bedenklich, weil in 20,6% der Fälle die Kompressionsstrümpfe noch einmal korrigiert werden mussten.

Offenbar könnten die dermatologischen Aktivitäten in der Betreuung des Lymphödems noch intensiviert werden, denn 42,0% der Patienten nutzten überhaupt keine Hautpflege, obwohl eine solche eigentlich zur leitliniengerechten Therapie des Lymphödems gehört. Umgekehrt wendeten lediglich 38,2% der Patienten eine tägliche Hautpflege an. Deutlich besser ist die Versorgung der Lymphödempatienten mittels Kompressionstherapie, denn 86,4% wurden auf diese Weise behandelt. Trotzdem muss es bedenklich erscheinen, dass 13,6% der befragten Lymphödempatienten nicht mit einer Kompressionstherapie behandelt wurden.

Die Versorgung des Lymphödems könnte in verschiedenen Punkten noch verbessert werden. Zu nennen sind unter anderem die systematische Gefäßdiagnostik, die Hautpflege, die Mitbehandlung der Adipositas und die Schulung der Patienten.

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