Background: Patients with prurigo nodularis (PN) have multiple itchy nodules, impaired quality of life and sleep deprivation. Prurigo nodularis patients have a high burden of disease, primarily due to the intensity of the itch. It is reasonable to expect that rapid relief of itch – and associated improvement of sleep – are highly valued clinical outcomes for patients. Nemolizumab is an IL-31A-receptor inhibitor that modulates the neuroimmune response with reported positive efficacy and safety data in a phase 2 study of PN. Objectives: To evaluate the onset of action of nemolizumab on itch and sleep disturbances. Methods: Post hoc analysis of a phase 2 trial of nemolizumab 0.5 mg/kg SC vs. placebo in patients (n = 70) with moderate-to-severe PN (≥20 nodules) and severe pruritus (NRS ≥ 7). Time to significant reduction was assessed for peak pruritus (PP) and sleep disturbance (SD) using numerical rating scales (NRS), also assessed was scratching time during sleep. Results: Nemolizumab significantly reduced itch vs. placebo within 48 h (PP NRS −19.5% vs. −5.8%, respectively, P = 0.014). Significant difference between nemolizumab and placebo in reducing itch by ≥4 on PP NRS was achieved at Day 3 (23.5% vs. 0%, P < 0.001). A significant difference in SD NRS was reported by Day 4 (−24.0% vs. −4.3% placebo, P = 0.012). In addition, there was a separation between groups in SD responders (decrease of ≥4 points) in favour of nemolizumab by Day 2 (8.8% vs. 0%, P = 0.037). Sleep continued improving through Week 4, when there was a −56.0% reduction in SD NRS vs. −22.9% placebo (P < 0.001). Actigraphy data showed improvement in scratch/sleep duration for nemolizumab vs. placebo, respectively, by Week 1 (−32.15 vs. +28.15 min/h, P = 0.001).

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Abstract aus Ständer S, Yosipovitch G, Lacour JP, Legat FJ, Paul C, Reich A, Chaouche K, Ahmad F, Piketty C. Nemolizumab efficacy in prurigo nodularis: onset of action on itch and sleep disturbances. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022 Oct;36(10):1820-1825.

Hintergrund

Chronischer Pruritus ist das Leitsymptom der chronischen Prurigo, bei der stark pruritische Knoten aufgrund eines verlängerten Kratzverhaltens entstehen [1]. Die meisten Patienten berichten von moderatem bis sehr starkem Pruritus, der andauernd vorhanden ist [1]. Dies hat schwerwiegende Folgen für die betroffenen Patienten und führt zu einer Beeinträchtigung der täglichen Aktivitäten sowie der Schlafqualität, was insgesamt zu einer verminderten Lebensqualität führt [2]. Mit konventionellen, von Leitlinien empfohlenen Therapien dauert die Linderung des Pruritus bei Patienten mit chronischer Prurigo wesentlich länger als bei anderen Patientengruppen, wie beispielsweise Patienten mit chronischem Pruritus [3].

Bis vor Kurzem gab es keine zugelassenen Therapien für chronische Prurigo. Dies änderte sich mit der Zulassung von Dupilumab, einem monoklonalen Antikörper gegen Interleukin (IL)-Rezeptor 4α[4]. Weitere vielversprechende monoklonale Antikörper, die auf die neuroimmune Achse modulatorisch wirken, werden derzeit in klinischen Studien untersucht [5].

Ergebnisse der Studie

Eine Post-hoc-Analyse einer randomisierten kontrollierten Phase-II-Studie mit Nemolizumab über 12 Wochen im Vergleich zu Placebo bei 70 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Prurigo [6] ergab einen schnellen Wirkungseintritt des Medikaments. Bereits innerhalb von 48 Stunden war der Pruritus bei den mit Nemolizumab behandelten Patienten im Vergleich zum Placebo signifikant reduziert. Zudem wurde der Anteil der Responder (Reduktion des stärksten Pruritus um ≥ 4/10 in der numerischen Ratingskala) bereits am Tag 3 erreicht. Darüber hinaus verbesserte sich der Pruritus im Laufe der Studie immer weiter. Bemerkenswert ist, dass sich der Pruritus bei Patienten mit einer schwereren Erkrankung sowie bei Patienten mit einer atopischen Diathese etwas langsamer verbesserte. Dementsprechend wurde am 4. Tag eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität erreicht.

Fazit für die Praxis

Die Entwicklung zielgerichteter Therapien für die Behandlung der chronischen Prurigo stellt eine therapeutische Revolution für diese Krankheit dar. Mit diesen innovativen Medikamenten ist ein schneller Wirkungseintritt zu erwarten, was bei den bisher verwendeten Therapien nicht der Fall war. Von großer Bedeutung ist die pruritusstillende Wirkung der Behandlung. Patienten mit chronischer Prurigo leiden in der Regel über einen langen Zeitraum, manchmal über mehrere Jahre, unter starkem Pruritus. Moderne Medikamente, die den Pruritus innerhalb weniger Tage erheblich lindern, geben den Patienten eine ganz neue Lebensqualität.

Im Fall von Nemolizumab werden durch die Hemmung der IL-31-Achse pro-inflammatorische und fibrotische Prozesse, die für die Entstehung der pruritischen Knoten verantwortlich sind, gehemmt. Der rasche antipruritische Effekt von Nemolizumab spricht dafür, dass es zusätzlich zur anti-inflammatorischen Wirkung des Medikaments eine direkte dämpfende Wirkung auf die Stimulation der sensorischen Neuronen in den dorsalen Wurzelganglien hat [7].Bislang fehlen Vergleichsdaten zwischen Biologika und small molecules in Bezug auf die Dynamik des antipruritischen Effekts. Für Dupilumab wurde in zwei klinischen Phase-III-Studien in Woche 3 und 4 eine signifikante antipruritische Wirkung gegenüber Placebo gezeigt [4] Diese klinischen Studien sind jedoch aufgrund der unterschiedlichen Methodik nicht vergleichbar. Nach der Zulassung anderer Biologika sowie eventuell auch small molecules wie Januskinase-Inhibitoren für die Behandlung der chronischen Prurigo werden klinische Erfahrung und vielleicht auch komparative Studien Aufschluss darüber geben, wie sich die Dynamik der Krankheitskontrolle bei den verschiedenen Medikamenten unterscheidet und welche Untergruppen von Patienten am meisten von welchen Medikamenten profitieren.

Disclosure Statement

Der Autor ist Investigator für Allakos, Celldex Therapeutics, GSK, Incyte, Sanofi und Trevi Therapeutics und hat Berater- und/oder Referentenhonorare und/oder Reisekosten von AbbVie, Beiersdorf, Eli Lilly, GA2LEN, Galderma, Menlo Therapeutics, Novartis, P.G. Unna Academy, Sanofi und Trevi Therapeutics erhalten.

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