Background: Basal cell carcinoma (BCC) is the most common cancer in the world and has a rising incidence. Current guidelines for low-risk BCC including superficial BCC (sBCC) recommend several treatment options including destructive treatment methods, such as cryosurgery with or without prior curettage or curettage and electrodesiccation. Curettage only (i.e. without subsequent cryosurgery or electrodesiccation) is a simple and quick destructive treatment method used for many benign skin lesions but has not been sufficiently evaluated for the treatment of sBCCs. Objectives: The objective was to compare the effectiveness of curettage vs. cryosurgery for sBCCs in terms of overall clinical clearance rates after 1 year as well as wound healing times. Methods: A single-centre non-inferiority clinical trial was conducted. Non-facial sBCCs with a diameter of 5-20 mm were randomised to either cryosurgery using one freeze-thaw cycle or curettage. At follow-up visits, treatment areas were evaluated regarding the presence of residual tumour after 3-6 months and recurrence after 1 year. Further, wound healing times were assessed. Results: In total, 228 sBCCs in 97 patients were included in the analysis. At 3-6 months, no residual tumours were seen in any of the treated areas. After 1 year, the clinical clearance rates for curettage and cryosurgery were 95.7% and 100%, respectively (P = 0.060). However, the non-inferiority analysis was inconclusive. Wound healing times were shorter for curettage (4 weeks) compared to cryosurgery (5 weeks; P < 0.0001). Overall, patient satisfaction at 1 year was high.

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Abstract aus Backman EJ, Polesie S, Berglund S, Gillstedt M, Sjöholm A, Modin M, Paoli J. Curettage vs. cryosurgery for superficial basal cell carcinoma: a prospective, randomised and controlled trial. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022 Oct;36(10):1758-1765

Hintergrund

Die Inzidenz des Basalzellkarzinoms (BZK) liegt in Deutschland bei über 200/100 000. Die Deutsche Leitlinie enthält Empfehlungen zur Therapie von BZK, die sich nach den beiden Rezidiv-Risikostufen «hoch» und «niedrig»" richten. In der L-Zone, die Stamm und Extremitäten umfasst und bei einer Tumordicke von ≤2mm, werden neben der schnittrandkontrollierten Exzision oder einer Exzision mit einem klinischen Sicherheitsabstand von 3-5mm auch weitere Verfahren wie die photodynamische Therapie (PDT), Imiquimod, 5-FU und lokal destruierende Verfahren empfohlen [1]. Die Kryochirurgie mit flüssigem Stickstoff, ein destruierendes Verfahren, steht jedoch weit unten auf der Liste der empfohlenen Therapien. Die Arbeitsgruppe um John Paoli aus Göteborg hat nun erstmals eine prospektive und randomisierte Studie an 97 Patienten mit 228 superfiziellen niedrig-Risiko BZK (5-20mm Durchmesser) durchgeführt, um den klinischen Therapieerfolg der relativ einfachen und schnellen, lokal destruierenden Verfahren der Kürettage im Vergleich zur Kryochirurgie nach einem Jahr zu untersuchen. Nach Bestimmung des Tumorrands mittels Dermatoskopie wurden alle BZK entweder mit Ringküretten bis in die Dermis abgetragen (n = 115) oder kryochirurgisch mit dem offenen Sprühverfahren und einem klinischen seitlichen Randbereich von ca. 4mm behandelt (1 Therapiezyklus, ca. 20 Sekunden, Ziel: Auftauzeit 60 Sekunden, n = 113).

Ergebnisse der Studie

Die klinischen Heilungsraten nach einem Jahr, die bei Bedarf histologisch überprüft wurden, betrugen 95,7% in der Kürettage-Gruppe und 100% in der Kryochirurgie-Gruppe. Die Tumoren wurden entweder mittels Dermatoskopie (n = 86) oder histologisch (n = 142) diagnostiziert, wobei dies bei 112 Patienten in der Kürettage-Gruppe und bei 30 Patienten in der Kryochirurgie-Gruppe der Fall war. Die behandelten Stellen waren nach 4 bzw. 5 Wochen verheilt. Es traten keine Hautinfektionen auf, und in der Nachuntersuchung waren 88 von 92 Patienten mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden. In Bezug auf die geplante nicht-Unterlegenheitsanalyse wurde die Studie aufgrund der geringen Unterschiede in der Heilungsrate nach einem Jahr als «nicht richtungsweisend» eingestuft, da die untere Grenze des Konfidenzintervalls für einen signifikanten Unterschied nicht erreicht wurde.

Kritikpunkte und Perspektiven

Obwohl beide Methoden seit langer Zeit bei der Behandlung von BZK angewendet werden, wurde erst im Jahr 2022 die erste prospektive, randomisierte und kontrollierte Studie zum Vergleich der Effektivität von Kürettage und Kryochirurgie veröffentlicht. Es liegen prospektiv randomisierte Studien zum Vergleich von PDT und Kryochirurgie vor, bei denen teilweise sehr unterschiedliche Heilungs- und Rezidivraten nach einem und fünf Jahren beschrieben wurden [2]. Der Langzeitverlauf in der aktuellen Untersuchung bleibt abzuwarten. Ein multizentrisches Studiendesign wäre ebenfalls hilfreich, um die Effektivität beider Therapien in den Händen einer größeren Anzahl von Ärzten zu prüfen. Die Autoren diskutieren offen, ob immer eine Histologie erforderlich ist, da die Sensitivität und Spezifität der Dermatoskopie bei BZK 91,2% bzw. 95% betragen.

Fazit für die Praxis

Es bleibt abzuwarten, mit welcher Gewichtung die aktuelle Studie in die zu aktualisierende Deutsche Leitlinie zum BZK der Haut einfließt. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen wird die Kryochirurgie in der praktischen Tätigkeit in Deutschland weiterhin eine Randerscheinung bleiben, nicht zuletzt aufgrund des Missverhältnisses zwischen Aufwand und Erstattung. Im Rahmen des qualitätsgesicherten ambulanten Operierens sind BZK jedoch ein wichtiger Bestandteil jeder dermatologischen Praxis in Deutschland mit extrabudgetärer Vergütung. Ein Blick in die USA zeigt, dass destruktive Therapiemodalitäten bei malignen Läsionen (Laser, Elektrochirurgie, Kryochirurgie, Chemochirurgie, Kürettage) dort deutlich besser vergütet sind [3]. In Bezug auf die Geschichte der Dermatochirurgie in Deutschland möchte ich auf die Ausführungen von G. Sebastian und A. Scholz zur Kryochirurgie beim BZK hinweisen [4].

Der Autor erklärt, dass keine Interessenkonflikte in Bezug auf den vorliegenden Wissenstransfer bestehen.

1.
AWMF S2k-Leitlinie 032-021 Basalzellkarzinom der Haut
(Aktualisierung 2017/18)
2.
Tchanque-Fossuo CN und Eisen DB
,
Dermatology Online Journal
, Vol
24
,
11
:3 A systematic review on the use of crytherapy versus other treatments for basal cell carcinoma.
4.
Sebastian G und Scholz A in Das Basaliom
,
1993
,
Springer-Verlag, Petres J, Lohrisch I (Hrsg.
), Seiten
203
206
.