Die dermatoskopische Untersuchung von Kopfhaut und Haar wird als Trichoskopie bezeichnet. Das einfache und nichtinvasive diagnostische Verfahren ist ein praktisches, überall einsetzbares Instrument zur Diagnose und Verlaufsbeobachtung von Haar- und Kopfhaut-Erkrankungen. Die Trichoskopie macht morphologische Strukturen sichtbar, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, und liefert dem Kliniker eine Reihe dermatoskopischer Befunde, die er für die Differenzialdiagnose benötigt. Die Beobachtungen in der Trichoskopie lassen sich in interfollikuläre und follikuläre Muster unterteilen. Kürzlich wurde zudem als Mischform die Kategorie des follikulär-interfollikulären Musters eingeführt. Einige dieser Muster sind spezifisch für eine einzelne Erkrankung der Kopfhaut, andere kommen bei mehreren vor. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass der Einsatz der Trichoskopie die klinische Untersuchung verbessern kann; hierzu sind jedoch weiterführende Untersuchungen erforderlich. Die vorliegende Übersichtsarbeit beschreibt den aktuellen Kenntnisstand zu den trichoskopischen Merkmalen der häufigsten Kopfhaut-Erkrankungen und ihre jeweiligen histopathologischen und klinischen Korrelate.

Als Trichoskopie wird die dermatoskopische Untersuchung von Haar und Kopfhaut bezeichnet - eine einfache, reproduzierbare, leicht durchzuführende, nichtinvasive, unbedenkliche und validierte instrumentelle Analysemethode. Sie ermöglicht es, mithilfe eines manuellen oder digitalen Dermatoskops verschiedene Erkrankungen der Kopfhaut zu diagnostizieren und ihren Verlauf zu beobachten.

Die Bezeichnung «Trichoskopie» wurde 2006 von Rudnicka et al. [1] als Terminus für die Dermatoskopie von Haar und Kopfhaut geprägt. Doch obwohl die Trichoskopie erst in jüngerer Zeit an Popularität gewonnen hat, geht der Einsatz dieses Instruments zur Untersuchung von Erkrankungen der Kopfhaut bis in die 1990er Jahre zurück. 2004 zeigten Lacarrubba et al. [2] mit ihrer Beschreibung der Charakteristika von Alopecia areata (AA), dass die Diagnostik bestimmter Formen von Haarausfall sich mittels Trichoskopie verbessern lässt.

2005 nutzten Olszewska und Rudnicka [3,4] das Verfahren, um bei androgenetischer Alopezie (AGA) den Schweregrad zu beurteilen und den therapeutischen Verlauf zu beobachten. 2006 beschrieben Ross et al. [5] spezifische trichoskopische Merkmale verschiedener Erkrankungen von Haar und Kopfhaut und klassifizierten diese Merkmale als follikulär oder interfollikulär. Danach ist in mehreren Berichten der Einsatz der Dermatoskopie in der Trichologie definiert worden, und im Jahr 2011 stellten Rossi et al. [6] einen Index zur trichoskopischen Beurteilung der Schwere von Psoriasiserkrankungen (PSO) der Kopfhaut vor, den «Videodermoscopy Scalp Psoriasis Severity Index» (VSCAPSI).

Insbesondere durch die Betrachtung der Morphologie der Kopfhaut-Oberfläche und ihrer Mikrozirkulation identifizierten die Autoren eine Reihe spezifischer Aspekte, die als interfollikuläre Muster (Gefäßmuster und Pigmentmuster) und follikuläre Muster bezeichnet werden [5,7]. Diese Klassifizierung wurde 2012 überarbeitet [8] und um eine Mischform ergänzt (follikulär-interfollikuläres Muster), da pustulöse und hyperkeratotische Läsionen an beiden Lokalisationen vorliegen können. Die Sensitivität und Spezifität dieser trichoskopischen Merkmale sind für die einzelnen Kopfhaut-Krankheiten häufig niedrig, und dasselbe Muster kann bei mehr als 1 Krankheit zu erkennen sein; daher ist es die Kombination aus anamnestischen, klinischen, trichoskopischen und in einigen Fällen histopathologischen Merkmalen, die zur korrekten Diagnose von Haar- und Kopfhaut-Erkrankungen führt.

Wir führten für den Zeitraum 2006-2014 eine PubMed-Suche mit den Begriffen «trichoscopy» und «hair diseases dermatoscopy» in mehreren Berichten durch, um eine Übersicht zusammenzutragen, die den aktuellen Kenntnisstand zu in der Trichoskopie beobachteten Strukturen zusammenfasst und eine klinische und histologische Korrelation nachweist. Nachfolgend berichten wir über die wichtigsten beobachteten Muster von Haar- und Kopfhaut-Erkrankungen.

Interfollikuläres Muster

Gemäß der Klassifizierung, die Ross et al. [5] in ihrem Artikel vorstellten, gibt es verschiedene Gefäßmuster und Pigmentmuster (Tab. 1).

Gefäßmuster

Einfache rote Schlaufen. Hierbei handelt es sich um multiple, relativ gleichmäßig verteilte, feine, rote, Lassoschlingen-förmige Schlaufen. Sie können isoliert vorliegen oder durch einen darunter liegenden Plexus breiterer roter Linien verbunden sein, der am besten bei einer Vergrößerung von ×50 oder höher mit tangential abgewinkelter Kamerasonde zu sehen ist. Einfache Schlaufen kommen bei verschiedenen Erkrankungen vor und ermöglichen den Ausschluss von diskoidem Lupus erythematodes (DLE). Interfollikuläre einfache rote Schlaufen sind Strukturen, die histologisch den Kapillaren der dermalen Papillen entsprechen. Ryan [9] postulierte, dass die schlaufenförmige Morphologie, die den Kapillaren der dermalen Papille entspricht, mit dem Zustand der darüber liegenden Epidermis korreliert und einfache Schlaufen mit normaler Dicke der Kopfhaut-Epidermis assoziiert sind, während ihre Abwesenheit eine Atrophie anzeigt. Deshalb sind die Schlaufen bei DLE nicht vorhanden - hier liegt eine epidermale Atrophie vor. Laut dem Bericht von Ross et al. [5] sind einfache rote Schlaufen gehäuft bei PSO und seborrhoischer Dermatitis (SD) zu beobachten. Unserer Erfahrung nach können sie auch bei Neurodermitis zu sehen sein.

Gedrehte rote Schlaufen. Hierbei handelt es sich um multiple, relativ gleichmäßig verteilte, spiralförmige, in sich gedrehte Schlaufen, die bei einer Hypertrophie (Akanthose) in proportionalem Ausmaß zu deren Schweregrad zu beobachten sind; sie treten bei entzündlichen Erkrankungen auf, die durch eine epidermale Hyperplasie gekennzeichnet sind, und liegen in der normalen Kopfhaut nicht vor. Bei geringer Vergrößerung (×10-20) erscheinen sie als multiple rote Punkte und bei hoher Vergrößerung (×40) als polymorphe Perlenschnur-artige Linien und Kreise. Histologisch entsprechen sie erweiterten Kapillaren in dermalen Papillen, und ihre Anzahl und Sichtbarkeit korrelieren mit der Schwere der Erkrankung. Ross et al. [5] beschrieben in fast allen Fällen von PSO eine Häufigkeit von 23/23 und bei Folliculitis decalvans (FD) von 4/4. Bei PSO entsprechen die unterschiedlichen Erscheinungsbilder der Gefäße bei Elongation der Papillen dem Ort der maximalen Krankheitsaktivität. Darüber hinaus variiert die Morphologie je nach Blickwinkel des Untersuchers und Positionierung des Dermatoskops in Bezug auf die Gefäße selbst: Wenn das Instrument transversal zur Oberfläche der Kopfhaut aufgesetzt wird, erscheinen sie als rote Punkte, Blutzellen (Anzahl roter Punkte, angeordnet in einem Ringnetz oder in unregelmäßigen Kreisen) und Glomeruli (Gefäßmuster, globuläres Muster bzw. glomeruläres Muster); wenn das Instrument hingegen tangential angesetzt wird, ähneln die Gefäße Haarnadeln (gedrehte rote Schlaufen) [10].

Sich verästelnde rote Linien. Diese erscheinen als rote Linien mit ähnlicher Struktur wie die Schlaufen, aber von größerem Kaliber; sie kommen in variabler Anzahl in gesunder und pathologischer Kopfhaut vor und entsprechen dem subpapillären Gefäßplexus [11]. Sie sind sowohl in der gesunden als auch bei vielen Erkrankungen der Kopfhaut zu sehen. Rudnicka et al. [12] zufolge sind radiale, dünne, sich verzweigende Gefäße in Verbindung mit großen gelben Punkten charakteristisch für DLE. Dieses Merkmal wird bisweilen auch als «rote Spinne in gelben Punkten» (red spider in yellow dots) beschrieben.

Rote Punkte. Diese werden von Miteva und Tosti [11] sowie Tosti et al. [13] als erythematöse, polyzyklische, konzentrische Strukturen mit regelmäßiger Verteilung um die Follikelöffnungen beschrieben, die mit einer Aufweitung der Ostien, Teleangiektasie und extravasalen Erythrozyten assoziiert sind. Sie sind ein hilfreicher trichoskopischer Hinweis zur Erkennung eines aktiven DLE. Sie stellen vermutlich einen positiven Prognosefaktor dar [12] und sind auch bei PSO zu beobachten.

Pigmentmuster

In gesunder Kopfhaut ist klassischerweise ein diffuses, Honigwaben-artiges Pigmentmuster zu erkennen, besonders deutlich bei dunklerer Hautfarbe. Kahle und spärlich behaarte Stellen, z.B. bei Männern mit fortgeschrittener AGA, weisen ein dunkleres Pigmentnetz auf, das einer Hautbräunung durch übermäßige Sonnenexposition entspricht. Im Allgemeinen korreliert das Ausmaß mit dem Grad der Alopezie; das Muster war an kahlen Stellen diffus und an restbehaarten Stellen fleckig. Charakteristisch sind auch ein unregelmäßiges Gittermuster und Lücken. Die Gitterlinien sind hyperchrome melanotische Reteleisten, während die Lücken der hypochromen suprapapillären Epidermis entsprechen [7].

An kahlen Stellen mit DLE und in aktinisch geschädigter Kopfhaut sind fleckförmige Honigwaben-Pigmentmuster kein überraschender Befund. Das Honigwaben-Pigmentmuster scheint ein Marker chronischer Erkrankung zu sein, da es hauptsächlich bei Alopezien vorkommt, die tendenziell persistierend oder langsam fortschreitend sind.

Follikuläres Muster

In der Trichoskopie kann das Erscheinungsbild der Follikelöffnungen - auch «Dots» oder Punkte genannt - als normal, leer, fibrotisch oder mit keratotischem oder seborrhoischem Material gefüllt beschrieben werden. Dies sind die häufigsten follikulären Merkmale, zusammengefasst in Tabelle 2.

Gelbe Punkte (Yellow Dots). Von diesen runden oder polyzyklischen, gelben bis gelb-rosa Punkten ist bekannt, dass sie einem follikulären Infundibulum entsprechen, das erweitert ist und im Abbau befindliche Keratinozyten und Talg enthält. Sie sind das häufigste und sensitivste Merkmal der AA, kommen aber auch bei einigen Fällen von AGA und AA incognita vor. Gelbe Punkte bei AA sind keratinös, bei AGA hingegen enthalten sie Zelltrümmer von Talgdrüsen [7]. Karadağ Köse und Güleç [8] berichteten von einer höheren Prävalenz bei AA (83,7%) als bei AGA (30,5%). Die Prädominanz der gelben Punkte in der Frontalregion im Gegensatz zum Hinterkopf spricht für die Diagnose der weiblichen androgenen Alopezie. Die Autoren schätzen die gelben Punkte als hochgradig sensitiven, aber nicht spezifischen Marker für AA ein. Bei AA korrelieren sie mit der Schwere der Erkrankung [11].

Weiße Punkte (White Dots). Diese großen, unregelmäßigen, blassen weißen Punkte treten bei vernarbenden Alopezien wie z.B. Lichen planopilaris (LPP), DLE und FD auf. Sie entsprechen zerstörten und durch fibröse Stränge ersetzten Follikeln (perifollikuläre Fibrose) mit fokalem Verlust von Melanin [14] und sind am deutlichsten bei dunkler Hautfarbe oder in gebräunten Arealen bei heller Hautfarbe zu sehen. Charakteristisch sind die kleinen, regelmäßigen, Nadelstich-artigen weißen Punkte in Regionen mit Sonnenexposition sowie bei dunkler Hautfarbe unabhängig von Haarausfall. Sie entsprechen den Ausgängen der ekkrinen Gänge [12,15].

Schwarze Punkte (Black Dots). Diese entsprechen Haarstoppeln (Kadaverhaaren), die bei Patienten mit AA vor dem Austritt aus der Kopfhaut abbrechen, und sind ein Zeichen der Krankheitsaktivität [11]. Abgebrochene Haare treten nicht ausschließlich bei AA auf, sondern auch bei Trichotillomanie, dissezierender Cellulitis, Tinea capitis, Chemotherapie-induzierter Alopezie und Trichoteiromanie (Scheueralopezie durch ständiges Reiben der Kopfhaut).

Blau-graue Punkte (Blue-gray Dots). Diese sind ein Ausdruck von Melanophagen in der papillären Dermis und ein Anzeichen von Incontinentia pigmenti. Als solche sind sie ein Merkmal von 2 Kopfhaut-Erkrankungen, DLE und LPP, bei denen sie in 2 verschiedenen Erscheinungsformen vorkommen: Bei LPP weisen die blau-grauen Punkte ein Zielscheiben-artiges Muster auf, da das Melanin perifollikulär konzentrische Kreise bildet und der interfollikuläre Bereich ausgespart bleibt [16], während die blau-grauen Punkte beim DLE in einer gesprenkelten Verteilung vorliegen, was auf eine Beteiligung der interfollikulären Bereiche mit Streuung von Melanin in dieser Region hindeutet [7,17].

Leere Follikel. Diese hautfarbenen kleinen Vertiefungen ohne Haare treten bei AGA, Telogeneffluvium und AA auf. Bei AGA können sie auch erhaben und mit Punkten ausgeprägt sein, was dann auf das Vorhandensein hypertrophierter Talgdrüsen infolge von Androgensensitivität hindeutet [7]. Doch auch kenogene Haarfollikel in gesunder Kopfhaut können ein ähnliches Erscheinungsbild haben, sodass dies sowohl bei Personen mit AGA als auch bei Kontrollpersonen vorliegen kann [8].

Fehlende Follikelöffnungen. Diese sind ein Anzeichen von Fibrose und kommen bei allen Formen der vernarbenden Alopezie vor, wie z.B. DLE und LPP; sie können daher als Hauptmerkmal dieser Kopfhaut-Erkrankungen betrachtet werden.

Sich verjüngende Härchen. Diese treten z.B. in Form von Ausrufezeichen-Haaren und Coudability-Haaren auf und sind ein Marker für die Aktivität und Schwere der AA [18,19]. Ausrufezeichen-Haare sind infolge intensiver Lymphozyteninfiltration gebrochene Haare [20], die eine fransige verdickte Spitze aufweisen, während Coudability-Haare als Haare mit dünnerem proximalem Schaft beschrieben werden. Laut Inui [21] sind sie vorwiegend in der Kopfhaut am Rand des Areals zu finden.

Abgebrochene Haare. Haare können in unterschiedlichem Abstand zur Kopfhaut abbrechen. Karadağ Köse und Güleç [8] zufolge sind sie ein Hinweis auf AA, jedoch nicht spezifisch, da sie auch bei Trichotillomanie vorkommen.

Kreishaare. Diese werden als dünne, kurze intrakorneale Härchen beschrieben, die in Kreisform liegen [22]; sie entsprechen vellusartigen Follikeln, wie sie bei AGA, AA und Telogeneffluvium zu finden sind. Bei AGA stellen sie eines der Kriterien für die Diagnose dar; Rakowska et al. [23] haben Haupt- und Nebenkriterien für die Diagnose der AGA vorgeschlagen. Die Hauptkriterien lauten: 1) >4 gelbe Punkte in der Frontalregion, 2) eine unterdurchschnittliche Haardicke in der Frontalregion im Vergleich zum Hinterkopf und 3) >10% dünne Haare in der Frontalregion. Die Nebenkriterien lauten: 1) ein erhöhtes Verhältnis frontaler zu okzipitalen Einzel-Haarfollikel-Talgdrüsen-Einheiten, 2) Vellushaar und 3) eine perifollikuläre Verfärbung (peripiläres Zeichen / brauner Ring). Das Vorliegen von 2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- und 2 Nebenkriterien führt mit 98%iger Spezifität zur Diagnose der AGA. Dieselben Autoren sind der Ansicht, dass das Vorliegen von >10% dünner Haare in der Frontalregion allein bereits hochgradig suggestiv für die Diagnose ist. Kreishaare können auch bei AA vorkommen, wo sie bei einigen Patienten ein prädominantes Merkmal darstellen können und als spezielle Erscheinungsform von kurzen Vellushaaren mit einem Durchmesser von <10 mm und weißer Farbe auftreten, vor allem in der remittierenden Phase der AA [24].

Follikuläre Hyperkeratose. Hierbei verschließt Keratinmaterial die erweiterten infundibulären Ostien. Die follikuläre Hyperkeratose mit Verstopfung der Follikelöffnungen durch keratotisches Material ist ein spezifisches Merkmal des DLE.

Büschelhaare. Bei diesem Hauptmerkmal der FD treten multiple (>6) Haare aus einer einzigen erweiterten Follikelöffnung aus. Sie sind Ausdruck miteinander verwachsener follikulärer Strukturen und in fortgeschrittenen Fällen sowohl klinisch als auch in der Trichoskopie zu sehen. Büschelhaare können auch bei Akne keloidalis, LPP und zentraler zentrifugaler Alopezie auftreten; hierbei sind es jedoch nur 2-3 Haare pro Büschel [25,26].

Peripiläre Haarhülsen (Casts). Diese sind ein Ausdruck perifollikulärer Entzündung und erscheinen als konzentrisch angeordnete Schuppen, die den austretenden Haarschaft umschließen. Sie werden vor allem bei LPP beschrieben, können jedoch auch generell bei vernarbenden (frontale fibrosierende Alopezie, DLE) und nichtvernarbenden Alopezien (PSO, SD, Verhornungsstörungen) zu sehen sein. Peripiläre Haarhülsen sind am besten in der «trockenen» Dermatoskopie mit polarisiertem Licht zu erkennen [7,11].

Peripiläres Zeichen (brauner Halo). Dies ist ein spezifisches Merkmal der AGA, das in einem frühen Stadium auftritt und als brauner Ring von etwa 1 mm Durchmesser um das Follikelostium imponiert. In pathologischen Studien korrelierte das peripiläre Zeichen bei Menschen kaukasischer Abstammung mit perifollikulären Entzündungen [27,28]. Inui [21] stellte die Vermutung auf, dass bei Menschen asiatischer Abstammung das peripiläre Zeichen eine Folge postinflammatorischer perifollikulärer Pigmentierung ist.

Anisotrichose (Variation der Haarschaft-Durchmesser). Die AGA ist in der Trichoskopie durch eine Variabilität der Haardurchmesser von >20% gekennzeichnet; dies ist ein sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal [29]. Auch bei AA und Telogeneffluvium kann eine Anisotrichose zu sehen sein, allerdings zeigt die Dermatoskopie bei AA eher eine gleichmäßige Haarverkleinerung [30]. Variierende Haarschaft-Durchmesser sind sehr nützlich, um eine AGA im Frühstadium zu erkennen, auch bei Kindern.

Entzündliche Kopfhaut-Erkrankungen lassen sich in 2 Gruppen unterteilen: solche, die mit Alopezie assoziiert sind, und solche, die es nicht sind. Innerhalb der ersten Gruppe sind wiederum die vernarbende und die nichtvernarbende Alopezie zu unterscheiden. Die Bezeichnung «vernarbende Alopezie» fasst eine Gruppe von Erkrankungen der Kopfhaut zusammen, die durch die dauerhafte Zerstörung von Haarfollikeln gekennzeichnet sind. Bei primärer vernarbender Alopezie läuft in den Haarfollikel-Talgdrüsen-Einheiten ein destruktiver Prozess ab. Die meisten primären vernarbenden Alopezien gehen auf keine bekannte Ursache zurück und bieten kein konsistentes klinisches/pathologisches Bild. Die klinischen und histopathologischen Merkmale zeigen ein breites Spektrum, verändern sich mit der Zeit und überlappen einander häufig, sodass die korrekte Diagnosestellung für Kliniker und Dermatopathologen schwierig ist. Zu dieser Gruppe zählen die folgenden klinischen Entitäten: LPP, DLE, frontale fibrosierende Alopezie, Pseudopélade Brocq, zentrale zentrifugale Alopezie, FD und Büschelhaar-Follikulitis [31]. LPP und DLE sind die häufigsten Ursachen für die primäre lymphatische vernarbende Alopezie. Sie gehen mit dem mikroskopischen Bild einer Interface-Dermatitis des dermoepidermalen Übergangs und/oder des adnexalen Epithels einher. Die Differenzialdiagnose erfordert in der Regel eine histopathologische Untersuchung. Eine Biopsieprobe ist aus einem Kopfhaut-Areal zu entnehmen, das Anzeichen von Entzündung zeigt [32]. Aber auch die Trichoskopie kann hilfreich sein, um die 2 Entitäten voneinander zu unterscheiden [17], wobei einige Merkmale, wie z.B. weiße Punkte, bei beiden vorkommen können. Die frontale fibrosierende Alopezie gilt als klinische Variante des LPP, mit geringerer follikulärer Lymphozyteninfiltration und einem breiten Spektrum apoptotischer Zellen [33,34].

Die AA zählt zu den häufigsten Formen der nichtvernarbenden Alopezie [35]. Die umfassendste Untersuchung der AA in der Trichoskopie erfolgte durch Lacarrubba et al. [2], Ross et al. [5] und Inui [21]. Ihre Ergebnisse belegen, dass schwarze Punkte und Ausrufezeichen-Haare Marker für eine hohe Krankheitsaktivität sind, während gelbe Punkte vorwiegend bei langsam verlaufender Alopezie auftreten und den Marker mit der höchsten Sensitivität für die Krankheit darstellen [11].

Die SD und PSO sind die häufigsten Ursachen für entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut, die nicht mit einer Alopezie einhergehen [36,37]; das Gefäßmuster ist das wichtigste trichoskopische Merkmal zur Unterscheidung der 2 Entitäten. Bei PSO der Kopfhaut sind gedrehte rote Schlaufen, rote Punkte und «läuseartige» Blutgefäße zu sehen [6], während die SD mit sich verzweigenden und atypischen Gefäßen assoziiert ist. Die AGA ist aufgrund ihres Vernarbungsverlaufs eine Übergangsform der Alopezie [38]. Sie ist durch Anisotrichose, Haarverkleinerung, gelbe Punkte, Kreishaare, braune Halos und leere Follikel gekennzeichnet.

Die Trichoskopie ist ein sehr nützliches Werkzeug für den Kliniker, um zur korrekten Diagnose vieler Krankheiten der Kopfhaut zu gelangen. Sie ermöglicht die Unterscheidung zwischen vernarbender und nichtvernarbender Alopezie ohne Kopfhaut-Biopsie. Zugleich ist die Trichoskopie ein nichtinvasives Verfahren, das keine teuren Instrumente erfordert und bei den Patienten eine hohe Akzeptanz genießt. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass es nicht nur für die Diagnose nützlich ist, sondern auch zur Beurteilung der Aktivitätsphase einer Krankheit sowie des therapeutischen Ansprechens auf eine Behandlung [39]. So ermöglicht es z.B. bei AA die Erkennung und Unterscheidung der sogenannten gelben Punkte, die ein Anzeichen für den Schweregrad der Erkrankung sind, von Ausrufezeichen-Haaren, die ein Anzeichen für Krankheitsaktivität darstellen. Trotz all dieser Qualitäten weist die Trichoskopie die Beschränkung auf, dass sie nicht für jede Erkrankung der Kopfhaut ein pathognomonisches Bild liefert; in jedem Fall ist weiterhin eine gründliche und gute Anamnese in Verbindung mit einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung erforderlich, von der die Trichoskopie ein wichtiger Bestandteil ist. In seltenen Fällen ist auch eine Biopsie nötig. Andererseits können auch die durch die Trichoskopie gewonnenen Informationen eine Biopsie erfordern, die allein oft nicht abschließend diagnostisch ist.

Alle Dermatoskope können auch für die Trichoskopie verwendet werden. Für eine optimale Analyse der Gefäßmuster der Kopfhaut ist jedoch eine Vergrößerung von mehr als ×20 erforderlich. Zur Bildgebung kann ein Dermatoskop (Dermlite®; 3 Gen LLC, San Juan Capistrano, CA, USA) mit einer Digitalkamera verbunden werden, was auch ein Heranzoomen ermöglicht [8,40]. Spezielle Dermatoskope, die mit einem iPhone® (Apple, Cupertino, CA, USA) verbunden werden können, sind von FotoFinder® Systems (Handyscope®; Bad Birnbach, Deutschland) und Canfield® (DermScope®; Fairfield, NJ, USA) entwickelt worden. Ebenso kann die trichoskopische Analyse mittels digitaler, computergestützter Dermatoskopie erfolgen; hierfür ist ein optisches Instrument mit einer Vergrößerungsleistung von ×20 bis ×1000 erforderlich. Die meisten Trichoskopiedaten sind bisher jedoch mit dem FotoFinder Dermoscope® gesammelt worden. Die Trichoskopie kann mit oder ohne Alkohol/Wasser als Kontaktflüssigkeit durchgeführt werden [5,41]. Eine trockene Dermatoskopie ist sinnvoll, um Kopfhaut-Erkrankungen mit diffuser oder perifollikulärer Schuppenbildung zu untersuchen. Durch die Verwendung einer Digitalkamera können tiefer liegende Hautstrukturen dargestellt werden, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Das Verfahren ermöglicht es, Aufnahmen zu machen, zu speichern und später in der Verlaufsbeobachtung zum Vergleich heranzuziehen [7,42].

Kurz gesagt bietet die Trichoskopie einen Weg zur Darstellung von Merkmalen normaler und erkrankter Kopfhaut und Haare, der großes Potenzial als Hilfsmittel für eine verbesserte klinische Versorgung und die Gewinnung neuer Erkenntnisse über die Krankheiten besitzt. Darüber hinaus ist die Trichoskopie auch nützlich, um bei all diesen Erkrankungen den Behandlungserfolg zu bewerten.

Die Autoren erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

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