Background: Interstitial lung disease (ILD) is the leading cause of death in systemic sclerosis (SSc). According to expert statements, not all SSc-ILD patients require pharmacological therapy. Objectives: To describe disease characteristics and disease course in untreated SSc-ILD patients in two well characterised SSc-ILD cohorts. Methods: Patients were classified as treated if they had received a potential ILD-modifying drug. ILD progression in untreated patients was defined as (1) decline in forced vital capacity (FVC) from baseline of ≥10% or (2) decline in FVC of 5%–9% associated with a decline in diffusing capacity for carbon monoxide (DLCO)≥15% over 12 ± 3 months or (3) start of any ILD-modifying treatment or (4) increase in the ILD extent during follow-up. Multivariable logistic regression was performed to identify factors associated with non-prescription of ILD-modifying treatment at baseline. Prognostic factors for progression in untreated patients were tested by multivariate Cox regression. Results: Of 386 SSc-ILD included patients, 287 (74%) were untreated at baseline. Anticentromere antibodies (OR: 6.75 (2.16–21.14), p=0.001), limited extent of ILD (OR: 2.39 (1.19–4.82), p=0.015), longer disease duration (OR: 1.04 (1.00–1.08), p=0.038) and a higher DLCO (OR: 1.02 (1.01–1.04), p=0.005) were independently associated with no ILD-modifying treatment at baseline. Among 234 untreated patients, the 3 year cumulative incidence of progression was 39.9% (32.9–46.2). Diffuse cutaneous SSc and extensive lung fibrosis independently predicted ILD progression in untreated patients. Conclusion: As about 40% of untreated patients show ILD progression after 3 years and effective and safe therapies for SSc-ILD are available, our results support a change in clinical practice in selecting patients for treatment.

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Abstract aus Scheidegger M, Boubaya M, Garaiman A, et al.: Characteristics and disease course of untreated patients with interstitial lung disease associated with systemic sclerosis in a real-life two-centre cohort. RMD Open 2024;10:e003658.

Hintergrund

Fast jeder zweite Patient mit systemischer Sklerose (SSc) entwickelt eine interstitielle Lungenbeteiligung (ILD) im Sinne einer Lungenfibrose im Verlauf der Erkrankung. In den ersten 3 Jahren nach der Diagnose äußert sich die ILD häufiger. Die Mortalität der Patienten mit SSc ist 2,5-mal höher im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die Frühdiagnose vor allem der ILD spielt eine zentrale Rolle. Im europäischen Raum hat fast jeder Dritte mit SSc-ILD eine rasche Progression der Fibrose und diese ist mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Daher stellt sich die Frage, ob die Diagnosestellung einer milden ILD eine Rolle bei der Progression und Behandlung spielt. Empfohlen wird bisher, Patienten mit milder und nicht progredienter ILD nicht direkt medikamentös zu behandeln, um eine exzessive Immunsuppression zu vermeiden. Widersprüchliche Befunde liegen vor, und zwar war die 1-Jahres-Inzidenz für ILD-Progression bei SSc-Patienten mit milder ILD in der kanadischen Kohorte niedriger.

Ergebnisse der Studie

In zwei großen Zentren der Expertise (Zürich und Oslo) wurden folgende Fragen gestellt: Werden diese Patienten mit milder Erkrankung behandelt? Werden Patienten mit milder ILD ohne Behandlung eine Progression (Endpunkt) erleben? Und welche Kriterien sollen die Ärzte hierauf aufmerksam machen? Die Progression wurde genau definiert, wie in Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1.

Kriterien der Progression

 Kriterien der Progression
 Kriterien der Progression

Insgesamt wurden 386 Patienten untersucht, hauptsächlich Frauen (78,5%), mit einer Krankheitsdauer von etwa 4,6 Jahren. 34,1% hatten eine diffuse kutane SSc (dcSSc), 99 erhielten eine medikamentöse Therapie und 287 erhielten keine Therapie (d.h. jeder dritte Patient hat eine Therapie bekommen).

Charakteristika der Patienten ohne Therapie

  • positiv für Antikörper gegen Centromere

  • limitierte kutane SSc (lcSSc)

  • bessere Lungenfunktion: höhere DLCO (unbehandelte Patienten hatten normale FVC)

  • milde ILD in der Computertomografie (CT) des Thorax

  • längere Strecke im Gehtest

  • längere Erkrankungsdauer

Die Wahrscheinlichkeit der Behandlung mit Mycophenolat-Mofetil (MMF) war vor und nach 2016 (Befunde der SLSII-Studie mit Cyclophosphamid (CYC) versus MMF bei SSc-ILD) nicht unterschiedlich.

Insgesamt 120 (41,8%) der unbehandelten Patienten hatten eine Progression gemäß der in Tabelle 1 gegebenen Definition im Follow-up (mittlere Zeit bis zur Progression 4,6 Jahre). Die 1- und 3-Jahres-Progressionsraten betrugen 19,7% bzw. 39,9%.

Die 1- und 3-Jahres-ILD-Progressionsraten gemäß den lungenfunktionellen Kriterien (siehe Tab 1, Teil A) waren 8% bzw. 26,1%.

Risikofaktoren für die Progression

  • dcSSc

  • höhere Einschränkung (Funktionsklasse)

  • erhöhter Anteil der Fibrose in der CT

  • niedrige DLCO und FVC zu Beginn

Die dcSSc und die extensive parenchymatöse Beteiligung waren in der multivariaten Analyse signifikant mit der Wahrscheinlichkeit für eine Progression assoziiert. Die Verminderung der DLCO zeigte sich ohne bzw. mit grz. negativer Signifikanz, hatte aber einen prädiktiven Trend.

In der gesamten Gruppe (mit und ohne Therapie) betrug die 1- und 3-Jahres-Progressionsrate 21,7% bzw. 45,9%, gesamt für Follow-up 61,5%. Insgesamt hatten Patienten mit extensiverer ILD oder dcSSc signifikant häufiger eine Progression der Fibrose im Follow-up.

Fazit für die Praxis

Zusammengefasst wird dafür plädiert, die Behandlung, wenn möglich, früh zu beginnen. Die Lungenfunktion scheint nicht zuverlässig genug für die Bestimmung des Ausmaßes der ILD und die Vorhersage der Progression der ILD zu sein.

Disclosure Statement

Keine Interessenskonflikte.